Jetzt wird es schmutzig

von Redaktion

Bamberg-Mäzen Stoschek schießt gegen Gavel und Bayern und plant den Rückzug

Der Titelkampf: Auf dem Feld haben die Bayern alle Vorteile für sich. © Gora/dpa

Respektvolle Rivalen: Noch-Mäzen Michael Stoschek (r.) mit Ex-Bayern Chef Uli Hoeneß. © imago

Im Kreuzfeuer: Der von Bayern umworbene Anton Gavel hat seinen Vertrag in Bamberg gekündigt. © IMAGO

Berlin/Bamberg – Der Zeitpunkt war natürlich nicht zufällig gewählt. Ausrechenbar, dass Michael Stoschek bewusst vor den entscheidenden BBL-Finals den Weg in die Öffentlichkeit suchte. Weil das, was der langjährige Mäzen zu sagen hatte, in diesen Tagen eine andere Wirkung erzielen würde. Anton Gavel will zu den Basketballern des FC Bayern – das war der nur bedingt überraschende erste Teil der Botschaft in einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt.

Teil zwei hatte es da schon eher in sich. Gavel habe eine juristische Spitzfindigkeit bemüht, um aus seinem bis 2027 datierten Arbeitspapier beim Pokalsieger auszusteigen. Unter seinen Vertrag war 2024 nämlich nur eine digitale Unterschrift gesetzt worden. Genau die nimmt der 41-Jährige nun aber offenbar als Hebel, um bei den Franken vorzeitig auszusteigen. Das Argument: Eine digitale Unterschrift müsse handschriftlich bestätigt werden – andernfalls könne man einen Vertrag binnen eines Monats kündigen.

Heikel: Stoschek sieht die Ursache nicht nur bei Gavel selbst. „Die Bayern haben ihn wohl beraten, dass seine digitale Unterschrift angreifbar wäre“, sagte er. Der frühere Brose-Chef habe in der Sache deshalb auch das Gespräch mit der Münchner Führung gesucht. Mit Bayern-Präsident Herbert Hainer habe er in der Causa Gavel ein Gespräch geführt. In „freundschaftlichem und professionellem Ton“ zwar, Bewegung aber gab es keine. Der FCB-Boss habe ihm vermittelt: Bayern will Gavel, eine Ablöse werde man nicht bezahlen. Stoschek versuchte offenbar auch, Ex-Präsident Uli Hoeneß um Vermittlung zu bitten. Dessen Büro ließ aber ausrichten, „dass er dafür nicht mehr zuständig ist“.

Wie der Streit weitergeht, ist vorläufig offen. Dass die Sache vor einem Arbeitsgericht landen wird, glaubt der 77-Jährige eher nicht: „Vor Gericht und auf hoher See, Sie kennen das …“ Dem Vernehmen nach, hatten die Bamberger, die im Hintergrund bereits mit dem früheren Braunschweiger Jesus Ramirez in Verbindung gebracht werden, das Werben der Bayern mit Blick auf den laufenden Vertrag lange entspannt verfolgt. Vom aktuellen Dreh fühlt sich nun aber gerade Stoschek selbst tief getroffen. So sehr, dass er nun auch sein privates Engagement in Bamberg einstellen will. „Dass man sich an Verträge hält, war für mich so selbstverständlich wie nichts“, sagte er. „Deswegen bin ich so enttäuscht von der Entscheidung von Herrn Gavel und will mich mit dem Basketball nicht mehr befassen.“

Der FC Bayern äußerte sich zu dem Vorgang erwartungsgemäß nicht. Klar, die Münchner stecken in der entscheidenden Phase des Meisterschaftskampfs. Nach dem 91:83 in Finale drei gegen Alba Berlin am Mittwochabend hat man zumindest schon einmal eine Hand an der Trophäe. Am Freitagabend könnte in der Max-Schmeling-Halle die zweite folgen. Vorläufig ist das Nebensache geworden.RP

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