Kritischer Blick: Nagelsmann beim Training.
Rüdiger (li.) zählt auf das große Talent von Musiala. © Hoermann/Imago (2)
Bundestrainer Julian Nagelsmann setzt bei der WM auf seine Offensive um die Topstars Florian Wirtz und Jamal Musiala. © Kara/Imago (2), Hoermann/Imago
Winston-Salem – Der letzte Sonntag war ein guter Tag. Und das ist keine Phrase: Denn die DFB-Elf siegte mit 7:1 gegen Curacao, das erste Gruppenspiel war gewonnen, das Selbstbewusstsein stieg. Plötzlich hatte Fußballdeutschland wieder das Gefühl, dass bei dieser WM doch mehr gehen könnte, als sich aus der Gruppenphase zu zittern und danach zu schauen, was noch möglich ist. Und das Mantra, das Joshua Kimmich noch vor der WM beschwor, wurde einmal mehr bestätigt: „An guten Tagen können wir jeden schlagen“, sagte der DFB-Kapitän schon vor der Abreise in die USA – und zwar nicht nur Curacao, sondern auch Schwergewichte wie Frankreich oder Spanien.
Doch was macht diese Topnationen aus? Und wie schaffen sie es, in den allermeisten Fällen zu gewinnen, selbst wenn sie mal keinen guten Tag haben?
Antonio Rüdiger muss es wissen. Mit Real Madrid ist er es gewohnt (die vergangenen zwei Saisons ausgeschlossen), auch dann erfolgreich zu sein, wenn die Mannschaft mal nicht in Form ist. Seiner Ansicht nach kommt es genau dann auf die Topstars der jeweiligen Mannschaft an: „Wenn man die Profile von den Spielern bei uns anschaut, sieht man, dass genau diese Art von Spielern wie Kylian Mbappé, Jude Bellingham oder Vinicius Jr. immer in den Momenten da ist, wo wir genau diese Starspieler brauchen“, erklärte der Verteidiger.
Zusätzlich nannte er die Franzosen als Beispiel, die ein bisschen wie das Real Madrid der Nationalmannschaften auftreten: Oft gar nicht so schön anzuschauen, aber mit Stars gespickt und meistens erfolgreich: „So war es gestern bei Frankreich: Sie haben nicht ihren besten Tag gehabt, aber Mbappé geht trotzdem mit zwei Toren raus. Das ist eine Qualität, die man nicht so oft hat.“
Rüdigers Ansicht nach haben beim DFB aber genug Spieler ähnliche Qualitäten, um die Erfolgs-DNA Madrids oder Frankreichs auch auf die deutsche Nationalelf zu übertragen. „Ich finde, dass wir auch unsere jungen Hüpfer haben. Ich will da keinen großen Druck aufbauen, aber es ist so, wie es ist. Das sind Flo Wirtz, Jamal Musiala, Kai Havertz und Leroy Sané, den ich auch mit dazuzähle. Wir brauchen euch!“
Diese Generation der „jungen Hüpfer“ ist zweifellos talentiert, beim DFB aber bislang mäßig erfolgreich. Sané ist am längsten dabei, steht aber häufig so heftig in der Kritik wie ansonsten nur Rüdiger. Havertz hat sich als Führungsspieler etabliert und kommt auf eine starke Quote (59 Spiele, 24 Tore, 18 Assists), Musiala und Wirtz eint ihr riesiges Talent, beide haben aber durchwachsene Saisons hinter sich.
Und sie alle verbindet, dass Fußballdeutschland seine Hoffnungen auf sie setzt, sie bislang aber nichts mit der Nationalelf gewinnen konnten. Im weiteren Verlauf der WM sollen sie mit ihrem riesigen Potenzial dafür sorgen, den DFB mit anderen Topnationen konkurrenzfähig zu machen – auch an einem nicht so guten Tag.V. TSCHIRPKE, M. BONKE