Aus Brüdern werden Gegner

von Redaktion

Von sieben WM-Geschwisterpaaren spielen nur drei für dasselbe Land

Ein Bruder kickt für Ghana, einer für Spanien: Iñaki (li.) und Nico Williams. © Terrel/dpa

Vancouver – Als Giovane Elber noch Fußball-Experte im deutschen Fernsehen war, kommentierte er das Thema mit der ihm eigenen Süffisanz. Was er davon halte, wenn bei der WM zwei Brüder für verschiedene Nationen auflaufen und dann gegeneinander spielen, wurde Elber gefragt. Es sei immer gut, „wenn ein Vater mehrere Söhne hat“, ließ der Brasilianer anlässlich des Duells der Boateng-Brüder bei der WM 2014 wissen.

Bei der XXL-WM 2026 gibt es gleich sieben Brüder-Paare. Die Duartes aus Kap Verde, die Bacunas von Außenseiter Curaçao sowie die Hernandez-Brüder Theo und Lucas von Vize-Weltmeister Frankreich spielen allesamt für die gleiche Nation. Die weiteren vier Geschwisterpaare spielen – wie die Boatengs damals – für unterschiedliche Nationen. Wie kommt es dazu?

Im Tennis spielen auch im Jahr 2026 noch die Williams-Schwestern Serena und Venus in Wimbledon mit. Bei den Fußballern von Athletic Bilbao gibt es die Williams-Brüder Nico und Iñaki. Während die Brüder im Verein das gleiche Trikot tragen, wählten sie im Nationalteam unterschiedliche Wege. Die ghanaischen Eltern hatten sich damals auf den Weg nach Spanien gemacht, als Mutter Maria mit Iñaki schwanger war. Barfuß zog das Paar durch die Sahara. Iñaki hat seinen Namen von einem spanischen Priester, der den Eltern beim Grenzübergang half. Der ältere Bruder entschied sich für Ghana. Nico hingegen wählte Spanien und wurde 2024 Europameister. „Als älterer Bruder bin ich unglaublich stolz“, so Iñaki zur BBC über seinen neun Jahre jüngeren Bruder.

Bei Derrick Luckassen (Ghana) und Brian Brobbey (Niederlande) liegt der Fall ähnlich wie einst bei den Boateng-Brüdern. Beide haben die gleiche Mutter, eine Ghanaerin, und sind in Amsterdam geboren. Luckassen durchlief diverse niederländische Jugendteams, ehe er sich für die Heimat seiner Eltern entschied. Brobbey gelang der Sprung in die Elftal, für die er es in den WM-Kader 2026 schaffte und im ersten Spiel eingewechselt wurde.

Die Brüder Désiré und Guéla Doué haben einen ivorischen Vater und eine französische Mutter. Beide wuchsen allerdings in Frankreich auf und machten bei Stade Rennes ihre ersten Schritte im Profifußball. Désiré ist mit 21 Jahren nicht nur der jüngere, sondern auch der deutlich talentiertere der beiden Brüder. In seiner Vita stehen bereits jetzt zwei Champions-League-Titel mit Paris Saint-Germain. Demzufolge entschied sich Désiré auch früh für Frankreich und schaffte es in den aktuellen WM-Kader des Mitfavoriten. Sein Marktwert wird in der Zwischenzeit bereits auf 120 Millionen Euro beziffert. Bruder Guéla (23) wechselte 2024 von Rennes zu Racing Straßburg und hatte sich zuvor bereits für die Elfenbeinküste entschieden.

John und Harry Souttar sind der Nachwuchs eines schottisch-australischen Paares. Vater Jack ist Schotte und war in den 70er-Jahren Profi, während Mutter Heather im australischen Adelaide geboren ist. Aufgewachsen und im Fußball sozialisiert wurden die beiden Fußballer in Schottland, doch Harry entschied sich 2019 für Australien, John dagegen für sein Geburtsland Schottland.

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