Die Bayern müssen ins Zitterspiel

von Redaktion

Basketballer verlieren das vierte Finale in Berlin 61:71 – Spiel fünf am Sonntag im Garden

Immer einen Zentimeter zu kurz: In der zweiten Halbzeit standen die Bayern auf verlorenem Posten. © Andreas Gora/dpa

Berlin – Nichts war’s mit dem märchenhaften Karriereende von Svetislav Pesic. Mit einer Meisterkür an seiner alten Wirkungsstätte Berlin. Die Trainerlegende muss nun auf die Kraft des SAP Garden hoffen, wie die BBL-Spielzeit am Sonntag (16.30 Uhr) dann unwiderruflich zu Ende gehen wird. Die vorzeitige Entscheidung am Freitagabend hat Alba Berlin weggekämpft. 71:61 (42:45) spielte man den doppelten Titelverteidiger aus München aus.

2:2 also in der Serie nach dem Modus best of five. Nach zwei Serien im Eiltempo gegen Trier und Bonn müssen die Bayern also über die volle Distanz gehen, um wenigstens diesen einen Titel auf den Briefkopf zu bringen. Justus Hollatz war bedient: „Extrem bitter, aber nun müssen wir es am Sonntag richten.“

Vor diesem vierten Finale hatten die Bayern erst einmal eine Hiobsbotschaft wegzustecken. Und die hatte ausnahmsweise nichts mit dem Vielleicht-bald-wieder-Münchner Anton Gavel zu tun. Justinian Jessup konnte nicht mittun. Der US-Amerikaner war in Spiel drei umgeknickt und schlich in Zivil durch die klimaanlagenbefreite Max-Schmeling-Halle. Für ihn rückte Landsmann Kamar Baldwin ins Aufgebot. Man kann es vorwegnehmen: Eine Rolle spielte der erst kurz vor den Playoffs aus einer Verletzungspause zurückgekehrte Guard nicht.

Das war Pesic dann offenbar doch zu heikel in einem von Beginn an erwartet intensiven Spiel. In dem beide Seiten um jeden Zentimeter kämpften. In dem Berlin das Münchner Plus an Qualität mit viel Herz erst einmal wettmachte. Und die Bayern? Warteten geduldig auf Fehler der Hauptstädter.

Die kamen mal ein bisschen Mitte des zweiten, besonders auffällig aber im dritten Viertel. Als sich die Albatrosse drei, vier Mal den Ball abluchsen ließen. Oder als der ansonsten famose Justin Bean einen Pass an allen Mitspielern vorbei auf den verdutzten Svetislav Pesic visierte. Ganz plötzlich hatten die Bayern satte zehn Punkte zwischen sich und die Gastgeber gelegt (52:42). Das schmerzte die Hausherren, die die Schlagzahl noch einmal erhöhen mussten. Erst recht bei den Temperaturen in der altehrwürdigen Arena – in der Eisbeutel im Genick auf der Bank zum gefragten Wellnessmittel wurden.

Doch Alba tat es. Dieses Team, das sich in Viertel- wie Halbfinale durch die vollen fünf Spiele gerackert hatte, robbte sich Stück für Stück wieder heran. Und das, obwohl dem jugendlichen Himmelsstürmer Jack Kayil offensiv lange Zeit nicht viel gelingen wollte. Aber die Berliner hatten ja andere. Justin Bean zum Beispiel, der den Bayern gleich vier Dreier einschenkte. Und als das Spiel auf die Zielgerade einbog, standen die Zeichen nach einem Berliner 26:2-Lauf plötzlich auf Spiel fünf.

Es war kein schönes, aber es war ein packendes Spiel. Wie eine Entschuldigung für eine, oftmals mäßig unterhaltsame BBL-Spielzeit. Die Bayern versuchten es mit den bekannten Waffen. Brachten Andi Obst ins Spiel, den Hauptrunden-MVP. Und Nenad Dimitrijevic, der ein heißer Anwärter auf den Finals-MVP sein könnte. Doch beide konnten den unerklärlichen Offensivkollaps ihres Teams nicht mehr beenden.

Weil Alba Berlin dieses Spiel ins Ziel kämpfte. Und den ultimativen Meister-Showdown erzwang. Am Sonntag (16.30 Uhr) im SAP Garden.RP

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