Haferschleim für Havertz!

von Redaktion

Heute von Astrid Kistner

Heute ist es wieder so weit: Unsere Jungs marschieren zum zweiten Gruppenspiel auf. „Unsere Jungs“ muss ich jetzt übrigens immer sagen – sonst werde ich von meinen Kindern wahlweise als Fake-Fan oder unsolidarische Fußballnörglerin diffamiert. Angesichts des jugendlichen Kaders kommt mir die Formulierung aber auch ganz locker über die Lippen. Vielleicht, weil ich als Ballsportexpertin näher am Renteneintrittsalter als an der U 21-Nationalmannschaft bin und mich ernsthaft frage, ob da jeder auf dem Platz nach 22 Uhr noch draußen spielen darf.

Überhaupt, 22 Uhr! Ich weiß nicht, wie’s Ihnen geht, aber um die Uhrzeit vollbringe ich normalerweise keine sportlichen Höchstleistungen mehr. Da werden die letzten Kräfte mobilisiert, um nicht vor dem Fernseher einzuschlafen. Ja, so eine WM kann einem schon zusetzen – nicht zuletzt, weil man merkt, wie alt man geworden ist. Früher waren die Nationalspieler unerreichbare Helden. Lothar Matthäus, Rudi Völler, Toni Schumacher – echte Männer mit Schnauzbart und Geheimratsecken. Haudegen, die gerade so auf den „Bravo“-Starschnitt passten und zwischendrin eher eine geraucht als Trinkpause gemacht hätten.

Oder anders gesagt: 1986 waren die Fußballer die Erwachsenen, heute könnten sie meine Kinder, pardon, „meine Jungs“ sein. Ich spüre den dringenden Wunsch, Musiala mit Mütze rauszuschicken, Havertz mit Haferschleim aufzupäppeln und Schlotterbeck eine Extraportion Schlaf zu schenken. Also drücke ich die Daumen: für drei Punkte, ein gutes Spiel und dafür, dass sie am Sonntag ausgeschlafener sind als ich.

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