KOMMENTAR

Jetzt kann sich Nagelsmann beweisen

von Redaktion

Trainer will Kritiker überzeugen

Der DFB ist aktuell schwer einzuschätzen, und das gilt für alle Ebenen. Fangen wir mit der sportlichen Qualität an: Bislang haben es alle im Verband vermieden, ein klares Ziel für diese WM auszugeben. Manche Spieler sprechen von Titelträumen, Funktionäre wie Rudi Völler betonen dagegen, dass man ausnahmsweise kein Favorit ist und deshalb lieber abwarten möchte, wie weit es geht.

Ähnlich schwer zu greifen ist allerdings auch der Trainer. Am Donnerstag feierte Julian Nagelsmann seinen 1000. Tag im Amt. Doch wie erfolgreich der Bundestrainer in dieser Zeitspanne war, wird unterschiedlich bewertet. Viele Stimmen beim DFB halten ihm zugute, dass er das Land vor der Heim-EM 2024 in Stimmung brachte und für eine Euphorie sorgte, wie man sie zuvor jahrelang nicht mehr erlebt hatte.

Kritiker bemängeln dagegen, dass Nagelsmann seitdem und insbesondere in den vergangenen Monaten mit verschiedenen Aussagen eher das Gegenteil bewirkt und die Stimmung mit seinen öffentlichen Auftritten gedrückt habe. Als Beispiel wird häufig Deniz Undav genannt. Nagelsmann habe ihn unnötig scharf kritisiert, sein Umgang mit dem Stürmer sei demotivierend gewesen.

Doch womöglich sollte man die Frage, wie man die Amtszeit von Nagelsmann als Bundestrainer bewertet, nicht nur anhand von Stimmungen beantworten, sondern sich auf die sportlichen Aspekte konzentrieren. Schließlich gilt Nagelsmann unabhängig davon, ob er nun Euphorie entfacht oder nicht, als grandioser Taktiker. Und genau diese Fähigkeit könnte der entscheidende Faktor bei einem Turnier werden, in dem 99 Prozent der Mannschaften ohnehin von einer Euphoriewelle im eigenen Land getragen werden. Stimmung haben viele, eine taktisch hervorragend eingestellte Mannschaft deutlich weniger. Die Partie gegen die Elfenbeinküste, der erste Härtetest bei dieser WM, bietet für Nagelsmann die beste Gelegenheit, zu beweisen, dass er mehr ist als ein Motivator.

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