Kanada trotzt dem Schock

von Redaktion

Co-Gastgeber reagiert stark auf Horror-Verletzung

Abschied mit Schmerz: der verletzte Ismael Koné. © Emma Peterson/dpa

Volltreffer: Jonathan David (re.) erzielte drei Tore beim 6:0-Sieg der Kanadier. © Imago/Erturk/Anadolu Agency

Vancouver – Mark Carney kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Im schwarzen Trikot stand der Premierminister in der Kabine der kanadischen Mannschaft, auch der Schockmoment um Ismael Koné konnte die Begeisterung des Regierungschefs über die historische Leistung seiner Landsmänner nicht dämpfen. „Ihr habt einen Charakter gezeigt, den die meisten Leute in ihrem Leben nicht erreichen“, rief Carney im Bauch des Stadions von Vancouver den Spielern um Dreierpacker Jonathan David zu.

Das 6:0 (3:0) des Co-Gastgebers über Katar, der erste Sieg bei einer WM-Endrunde im achten Anlauf, die so gut wie sichere Qualifikation für die K.o.-Phase – das war das eine. Das andere aber, das, was sowohl Carney als auch Trainer Jesse Marsch so „stolz“ machte, war die Reaktion der Mannschaft auf die Horror-Verletzung von Koné. „Seit zwei Jahren versuche ich den Leuten klarzumachen, was für einen besonderen Charakter diese Mannschaft hat“, sagte Marsch: „Ich finde, dass heute all das zum Ausdruck gekommen ist.“

In der 51. Minute war Koné beim Stand von 3:0 nach einem Foul von Katars Assim Madibo zu Boden gegangen, sein Unterschenkel in einer deutlichen Fehlstellung. Der Schock stand nicht nur dem 24-Jährigen selbst, sondern auch seinen Mitspielern und Gegnern ins Gesicht geschrieben. „Es war ein Schock für uns alle“, sagte Alphonso Davies im Anschluss. Ein Schock aber, von dem sich die Kanadier im Anschluss angetrieben von 50.000 Fans recht unbeeindruckt zeigten.

Drei weitere Tore ließen „Les Rouges“ noch folgen – gegen Katarer, die nach einer ersten Roten Karte gegen Homam Ahmed (33.) und dem Platzverweis für Madibo nur noch zu neunt waren. Nicht nur in Vancouver feierten die kanadischen Fans danach ausgelassen. Angetrieben von der Hoffnung, dass vielleicht doch mehr möglich sein könnte bei dieser Heim-WM. „Man braucht Momente, in denen sich alle daran erinnern, was passiert ist“, sagte Marsch voller Stolz: „Kein Kanadier wird diesen Tag vergessen.“

Auch der verletzte Koné schöpft Hoffnung. Laut ersten Diagnosen erlitt der Leistungsträger einen Bruch des linken Schien- und Wadenbeins und verschickte eine emotionale Instagram-Botschaft, in der er sich für die breite Anteilnahme bedankt. „Ich habe eure Liebe und Unterstützung gespürt. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie dankbar ich all jenen bin, die sich gemeldet haben und mich in ihre Gebete einschließen. Ich danke Gott dafür, denn nicht jeder hat dieses Glück.“ Er wandte sich auch an seine „kanadischen Brüder“: „Ich möchte, dass ihr wisst, dass ich euch von ganzem Herzen liebe und unsere Brüderschaft mir alles bedeutet. Wir werden noch viele weitere gemeinsame Erinnerungen schaffen.“

Der nächste historische Moment soll am Mittwoch folgen. Schon ein Remis würde den Kanadiern gegen die Schweiz reichen, um sich den Gruppensieg zu sichern – und damit ein weiteres Heimspiel in Vancouver.

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