DAS WM-TAGEBUCH

Land der Betten

von Redaktion

Günter Klein

Antonio Rüdiger ist ein von vielen gefürchteter, aber doch recht unterhaltsamer Zeitgenosse. Und er gibt immer ehrliche Antworten. Gefragt wurde nach seinem liebsten Ort im Base Camp der deutschen Mannschaft. Er sagte: „Ich schätze sehr mein Bett, denn da verbringe ich die meiste Zeit.“ Viele Sportler haben sich schon so geäußert, und das ist verständlich, denn zwischen Wettkampf und Training braucht der athletische Körper Regeneration. Daher sind Liegegelegenheiten wichtig. In den USA liegt man allerdings auf ganz anderem Niveau als im Rest der Welt. Es ist das Land der Riesenbetten.

In Deutschland kann es schon passieren, dass man bei einer Einzelzimmer-Hotelbuchung ein Kämmerchen mit einer 90 Zentimeter schmalen Pritsche zugewiesen bekommt. In Amerika aber wird selbst die an einem Autobahnkreuz gelegene, lärmumtoste Billig-Unterkunft (Motel) große Zimmer haben – mit prunkvollen Betten. Alleinreisende bekommen immer ein „King Size Bed“, mindestens 1,93 Meter breit. Paare rümpfen an der Rezeption die Nase, wenn man ihnen nicht mindestens zwei Queen-Size-Betten anbietet. Nebeneinandergestellt nehmen sie mehr als drei Meter ein. Und natürlich alles als Boxspringbett. Möbelpackers Albtraum, Schläfers Traum. Wir können uns schon gut vorstellen, wie sich Antonio Rüdigers mächtiger Innenverteidiger-Körper auf das Bett im Graylin Estate lümmelt, sich in der Liegelandschaft fast verliert. Erzählt hat er auch, dass er sich das Spiel Österreich – Jordanien angesehen hat. Da fiel uns auf, dass dies nach Winston-Salem-Zeit um Mitternacht begann (und folglich bis fast zwei Uhr morgens dauerte). Aber Rüdiger ist vor dem Schlafen bereits Stunden gelegen.

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