„Ich habe es nicht geschafft“: Svetislav Pesic. © IMAGO
Hochstimmung: Bayern verfolgte betreten die Siegerehrung. © IMAGO
Hiergeblieben: Eine Halbzeit lang hatte Bayern das Heft fest in der Hand. © IMAGO
Am Ende siegt das beste Team: Alba Berlin feiert seine 12. Meisterschaft. © IMAGO
Physisch und psychisch am Ende: Andi Obst. © IMAGO
München – Svetislav Pesic musste einmal kurz Luft holen. Dann kamen die Worte, mit denen er sich das Scheitern ein Stück weit selbst auf die Schultern legt. „Ich bin sehr enttäuscht, dass es mir hier nicht gelungen ist, ein Team zu formen.“ Worte, die viel sagen über den Verlauf dieser merkwürdigen Saison, an der er mit seinen Bayern-Basketballern am Ende mit komplett leeren Händen dasteht.
81:84 mussten sich die Münchner im fünften Finale vor eigenem Publikum Alba Berlin geschlagen geben. Und am Ende traf Pesic nach dem letzten Trainerauftritt seiner Karriere wohl genau den Punkt, der diese Finalserie letztlich entschied. Man unterlag einem Gegner, der genau das demonstrierte, was den Bayern nicht nur in den Endspielen fehlte. Die Münchner hatten gewiss das größte Talent, auch den umfangreichsten Kader. Aber Alba war letztlich das beste Team. Ein Kollektiv, das sich auch in tiefsten Krisenmomenten noch mit Herz und Kampf versuchte.
Das hatte schon am Freitag funktioniert, als man den Bayern in der zweiten Halbzeit eine Zehn-Punkte-Führung aus der Hand nahm. Und so war noch weit mehr im finalen Showdown am Sonntag. In dem die Bayern eine Halbzeit lang einfach alles fest in der Hand hatten. Zwanzig Punkte hatte man zwischen sich und die sichtlich verdutzten Albatrosse gelegt (47:27).
Doch der nun zwölfmalige Champion kam zurück mit dem Motto „Alles oder nichts“. Wobei es viel sagte, dass ausgerechnet die Ur-Berliner Jungs wie Jonas Mattiseck oder Malte Delow zur Aufholjagd bliesen. „Spieler, die das Alba-Gen vielleicht nicht mit der Muttermilch, aber doch mit der Alba-Milch eingesaugt haben“, sagte Berlin-Boss Marco Baldi.
Man kann darüber streiten, ob die physischen Spuren eine Rolle gespielt haben. Aber Fakt ist, dass die Bayern in ihrem 86. Saisonauftritt müde wirkten, als Alba (66 Saisonspiele) plötzlich heranrauschte. Das war auch für Baldi die Hoffnung gewesen. „Bayern ist in allen Spielen nach hinten raus abgeknickt“, sagte er, „in solchen Momenten kannst du ihnen natürlich in die Köpfe kommen.“
Wie sehr das nun bei zwei Meister-Matchbällen gelang, das saß auch bei den Protagonisten tief. Auch Niels Giffey konstatierte mit leeren Augen und im Trikot verborgener Silbermedaille: „Das ist sehr, sehr bitter“, sagte er, „ich habe absolut keine Ahnung, wie das passieren konnte.“
Die Frage ist nun: Welche Schlüsse werden die Bayern aus der Saison ziehen? Aus einer Saison, die Präsident Herbert Hainer, der sich am Sonntag nicht äußern wollte, nur mit dem Titel als halbwegs akzeptabel gesehen hätte. Nun kommt mit Thorsten Leibenath ein neuer Chef, dazu ein neuer Trainer – aller Voraussicht nach der Noch-Bamberger Anton Gavel. Für das neue Führungsduo könnte das Scheitern sogar eine Chance sein. Der Umbruch könnte heftiger ausfallen.
Svetislav Pesic, soviel ist klar, wird nur am Rande damit zu tun haben. Auch wenn der 76-Jährige dem Verein wohl beratend zur Seite stehen wird. Doch auch für ihn steht erst einmal Durschnaufen und Wunden lecken an. Denn der Schmerz, dass das letzte Spiel seiner großen Karriere verloren gegangen ist, sitzt natürlich tief. „Ich habe alles versucht. Ich habe alles gegeben“, sagte er, „aber ich hätte nicht mehr tun können. Das war nicht möglich.“PATRICK REICHELT