Gut drauf in schweren Zeiten: Gernot Mang. © Sampics
München – Um 11.03 Uhr am Sonntag fegt ein erster Orkan durchs Zenith. Soeben hatte Präsident Gernot Mang an die fristlose Kündigung des Kooperationsvertrages mit Hasan Ismaik erinnert. Die Mitglieder des TSV 1860 erheben sich von ihren Sitzen und applaudieren. Schon da ist klar, in welche Richtung sich diese Versammlung entwickeln wird.
„Ich werde nicht so tun, als wäre das ein normaler Tag“, sagt Mang zu Beginn seiner halbstündigen Rede. Die vergangenen Wochen seien hart gewesen. Viel Schlaf habe er nicht bekommen. Aber eines wolle er mit voller Überzeugung sagen: „Was jetzt vor uns liegt, ist die größte Chance für den TSV 1860 seit vielen Jahren.“ Und dann folgt der Hammer des Tages: „Nach Lage der Dinge muss die KGaA nächste Woche Insolvenz anmelden. Wir bauen alles neu auf – und verabschieden uns vom Investorenmodell der vergangenen 15 Jahre.“ Zuvor hatte Mang berichtet, Ismaik habe nicht auf das Angebot reagiert, seine Anteile an den e.V. zu verkaufen.
Mang spricht ausdrücklich nicht von einer Krise, sondern von einem Aufbruch. Die Löwen hätten nun die Möglichkeit, ihren eigenen Weg zu gehen – einen unabhängigen. Die Kündigung des Darlehensvertrages durch Ismaik am 21. Mai bewertet er unter Berufung auf drei unabhängige Kanzleien als unrechtmäßig. Auch nach der Gesellschafterversammlung am Dienstag habe die e.V.-Seite alle Türen offengehalten und ein Angebot im einstelligen Millionenbereich vorgelegt. Doch Ismaik wolle seine Anteile offenbar lieber an einen Dritten verkaufen, als sie an den Verein zurückzugeben. Mangs Schlussfolgerung: „Eine schnelle und gütliche Einigung ist damit in weite Ferne gerückt.“
Die wenigsten im Zenith scheinen das zu bedauern. Tosenden Beifall erhält Nicolai Walch, der als scheidender Verwaltungsrat in Richtung Ismaik und HAM ruft: „Diese Leute will ich hier nie wieder sehen!“ Klatschreporter Michael Graeter (84), der sich für den Verwaltungsrat bewirbt, bezeichnet Walch daraufhin als „Brunnenvergifter“ – und erntet Buhrufe. Die Opposition, so es sie noch gibt, ist schwach vertreten. Folgerichtig geht auch e.V.-Kritiker Jürgen Pusch leer aus, als die drei vakanten Plätze im Verwaltungsrat nachbesetzt werden: durch Dominik Heckmair, Jan Walla und Uwe Seemann.
Mangs Fazit: „Der Verein lebt – stärker denn je. Der Löwe befreit sich von seinen Fesseln und zeigt Zähne.“ Entsprechend glatt geht der Antrag auf Gründung einer Spielbetriebs-GmbH unter der Flagge des e.V. durch: 1017 Ja-Stimmen – bei nur sechs Gegenstimmen. Für eine neue Stadion-GmbH gibt es den fast den identischen Zuspruch (1016:6).ULI KELLNER