Weltmeisterschaften gliedern das Leben eines Fans. Ich weiß noch genau, was 1990, 1994, 1998 oder 2010 war. Abi. Umzug nach München. Erste WM in der Sportredaktion. Familie. Und 2026? Da weiß ich schon jetzt, woran ich mich erinnern werde: an extreme Müdigkeit. Es ist die erste WM meines Lebens, bei der nicht die Zeitverschiebung der Gegner ist, sondern der Schlaf. Nachtspiele und Schulkinder – eine Kombination, die die Fifa viel zu wenig würdigt. Das unlösbare Problem: Wie sitzt man um 6.45 Uhr frisch am Frühstückstisch, wenn um 4 Uhr erst Usbekistan gegen Kolumbien begonnen hat? Früher war das einfacher. 1986 in Mexiko: alles schauen – man war jung. 1994 in den USA: Stückelschlaf und Wecker fürs Nachtspiel. 2014 in Brasilien: kein Schulkind, Wecker um 8.15 Uhr. Heute dagegen stellt sich die Frage, ob man wirklich bis zum Anpfiff von Türkei gegen Paraguay durchhalten muss. Die Antwort lautet: selbstverständlich! Aber: Schafft man es? Der Schlaf ist 2026 ein härterer Gegenspieler als Tah, Schlotterbeck und Rüdiger zusammen. Das Sofa holt sich wertvolle WM-Minuten, das Bett auch. Espresso und kalte Dusche helfen nur kurz. Der Handy-Screen mit Magenta-App ist ein treuer Begleiter – bis man aufwacht und feststellt, dass die 78. Minute läuft. Übersee-Weltmeisterschaften sind herrlich. Zumindest das, was man davon wach erlebt.ULI KELLNER