Der Stürmer führt nach seinem Doppelpack die WM-Scorerliste an. © Charisius/dpa
Toronto – Wenn doch alles so einfach wäre, wie es in den Fankurven und Stammtischen dieser Welt beschrien wird: Deniz Undav muss in die Startelf, Leroy Sané raus und sollte am besten gleich aus dem deutschen Kader verbannt werden. So wurde es während des 2:1-Siegs der deutschen Nationalelf in den sozialen Medien von Tausenden Fans gefordert, und anders lassen sich auch die Äußerungen der deutschen Fans im Toronto-Stadion am Samstag kaum deuten.
Denn dort hallten bereits vor den beiden Toren des Stuttgarter Stürmers „Deeeeniz Unaaaaav“-Gesänge durch die Arena, während Sané bei jedem Ballverlust ein genervtes Raunen zu hören bekam und sich einige Fans bei seiner Auswechslung sogar mit hämischem Applaus über ihn lustig machten. Doch so leicht ist es eben nicht für den Bundestrainer. Undav und Sané sind zwei völlig verschiedene Spielertypen. Weil Undav aber aktuell in einer solch überragenden Verfassung ist und Sané noch kaum etwas bei dieser WM gelungen ist, muss Nagelsmann nun trotzdem eine Lösung finden, um den Stuttgarter Shootingstar in die Startelf einzubauen.
Eine Möglichkeit wäre es, den dreifachen Torschützen dieses Turniers auf der Zehn einzubauen, hinter dem gesetzten Kai Havertz. Jamal Musiala müsste dann nach rechts rücken oder auf die Bank weichen, je nachdem, wen Nagelsmann auf der rechten Seite präferiert. Eine andere Option wäre, Undav in die Sturmspitze zu stellen und Havertz auf die rechte Seite zu ziehen, das gilt aber als unwahrscheinlich.
All diese Fragen wird Nagelsmann bis zum Duell gegen Ecuador am Donnerstag (22 Uhr, ARD und Magenta) beantworten müssen. Auf Nachfrage, wie er im Falle eines Startelfeinsatzes von Undav plant, wich der Bundestrainer nach der Partie allerdings noch aus. „Wir werden das diskutieren – im Trainerteam, mit Deniz. Genauso kann man auch argumentieren, dass er in diesem Flow bleibt und uns als Joker hilft“, erklärte Nagelsmann. „Ich glaube auch, dass er aktuell happy damit ist, wie es für ihn läuft. Er macht es sehr gut. Wir sind froh, ihn zu haben. Er ist unheimlich schlau in der Box.“
Ein nächster Joker-Einsatz im dritten Gruppenspiel bleibt also auch denkbar. Undav selbst geht mit der Thematik inzwischen gelassen um: „Wir haben ein gemeinsames Ziel und wenn das gerade so gut funktioniert, liegt es am Bundestrainer“, sagte der Stuttgarter. „Er trifft die Entscheidungen. Ich glaube, es ist nur wichtig für ihn und auch für die Spieler, die von der Bank kommen, und die, die spielen, zu sehen, dass jeder, der reinkommt, Akzente setzen und das Spiel ändern kann.“V. TSCHIRPKE, M. BONKE