KOMMENTAR

Willkommen in der harten WM-Realität

von Redaktion

Undav rettet Deutschland

Julian Nagelsmann nutzte die Trinkpause in der ersten Halbzeit zur vorgezogenen Kabinenansprache an der Seitenlinie. Intensiv redete der Bundestrainer auf seine Spieler ein und gestikulierte dabei energisch. Zu diesem Zeitpunkt waren gegen die Elfenbeinküste erst 25 Minuten absolviert. Doch Nagelsmann hatte bereits gemerkt, dass das zweite Gruppenspiel dieser Weltmeisterschaft alles andere als nach Plan verläuft. Nach dem 0:1-Rückstand in der 30. Minute durch Franck Kessie wackelte das Team um Joshua Kimmich insbesondere nach dem Seitenwechsel bedenklich. Zumindest für ein paar Minuten sah es tatsächlich danach aus, als würde die Mannschaft von jetzt auf gleich in sich zusammenbrechen. Willkommen in der harten WM-Realität! Das spektakuläre 7:1 im Auftaktspiel gegen den Fußballzwerg aus Curacao hatte darüber hinweggetäuscht, was sich in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder angedeutet hatte: Dieses DFB-Team ist ein fragiles Gebilde.

Umso höher ist es Kapitän Kimmich und seinen Kollegen anzurechnen, dass sie in der kritischen Phase gegen die frech aufspielende Elfenbeinküste Widerstandsfähigkeit bewiesen haben und am Ende als Sieger vom Platz gingen. Das war auch dem goldenen Händchen des Bundestrainers zu verdanken, der mit Deniz Undav, Nadiem Amiri und Jamie Leweling gleich drei neue Offensivkräfte einwechselte. Der Mut von Nagelsmann wurde belohnt: Undav drückte eine perfekte Flanke von Amiri zum 1:1 über die Linie und sorgte in der Nachspielzeit für das 2:1.

Vor dem letzten Gruppenspiel gegen Ecuador am Donnerstag wird Nagelsmann nicht darum herumkommen, harte Personalentscheidungen zu treffen und mit seinen viel zitierten Rollen zu brechen.

An Undav führt in der Startelf kein Weg mehr vorbei: Bei diesem Turnier gibt es keinen deutschen Spieler, der das Momentum mehr auf seiner Seite hat und im Alleingang den Unterschied macht.

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