Familienbande: Svetislav Pesic mit Enkel Luka. © sampics
Jugendliche Frechheit siegt: Albas Jack Kayil (li.) gehört im Endspurt zu den Matchwinnern. © Stickel/dpa
Nachdenkliches Hallo: Beim kleinen Fanfest am Pineapple-Park nahmen die Viemeister Abschied von ihrem Anhang.
München – Im Moment des Scheiterns machten sich die Bayern rar. Die Profis stapften mit betretenen Gesichtern in die Kabine. Auch Präsident Herbert Hainer wollte keine Erklärung abgeben. Weil das Unerklärliche halt auch nicht zu erklären war. Alles, einfach alles hatten die Münchner Basketballer in ihren Händen gehabt. Und mussten am Ende doch zuschauen, wie Alba Berlin mit der Meistertrophäe in Richtung Hauptstadt entschwand.
So war es am Ende der scheidende Trainer, der der Sache wohl am nächsten kam. „Mir ist es nicht gelungen, aus diesen Spielern eine Mannschaft zu formen“, sagte Svetislav Pesic. Und das ist in der Tat eine der Auffälligkeiten in der ersten titellosen Saison seit 2022. Bei allem unbestreitbaren individuellen Talent – eine krisenfeste Einheit sind die insgesamt auch überalterten Bayern in dieser Saison nie geworden. Ob die Disziplinierungsmaßnahmen des Coaches gegen Spieler wie Stefan Jovic oder Xavier Rathan-Mayes hilfreich waren, sei dahingestellt.
Vielleicht trifft es sich so gesehen ja ganz gut, dass dem angeknacksten Branchenführer ohnehin ein Umbruch bevorstand. Sport-Geschäftsführer Dragan Tarlac wird seine Geschäfte in die Hände des bisherigen Ulmers Thorsten Leibenath legen. Die Pesic-Nachfolge wird Trainer-Aufsteiger Anton Gavel antreten. Daran wird auch die merkwürdige Interview-Aktion von Bambergs Ex-Mäzen Michael Stoschek nichts ändern. Geschäftsführer Philipp Höhne deutete längst an, dass man Gavel keine Steine in den Weg legen will, dem Vernehmen nach haben die Bamberger seit ein paar Tagen in Jesus Ramirez bereits einen Gavel-Nachfolger unter Vertrag.
Interessant wird sein, wie viel Hand die neue Führungscrew am Kader anlegen wird. Immerhin elf aktuelle Bayern haben noch Verträge. Oscar da Silva, Nils Giffey, Johannes Voigtmann, Kamar Baldwin, Wenyen Gabriel, Vladimir Lucic und Isiaha Mike bis 2027, Andi Obst, Justus Hollatz, Justinian Jessup und der bislang verhinderte Stareinkauf Rokas Jokubaitis sogar bis 2028. Dahinter dürfte allerdings nicht viel bleiben. Leon Kratzer kam nie über die Rolle des Transfer-Missverständnisses hinaus. Auch bei David McCormack, dem aussortierten Jovic, Rathan Mayes, Verletzungs-Härtefall Elias Harris und sogar bei Nenad Dimitrijevic stehen die Zeichen auf Trennung. Der Nordmazedonier wäre dem Vernehmen nach gerne geblieben, doch mangels Münchner Offerte gab er Trainerstar Vasilis Spanoulis und Aris Saloniki das Jawort. Allerdings: Mit dem wieder genesenen Jokubaitis, Hollatz und Baldwin hat man bereits drei Spielmacher an Bord.
Noch nicht bestätigt, aber doch klar ist, dass die Bayern in Johannes Thiemann einen weiteren Welt- und Europameister an Bord holen. Der 32-Jährige kommt nach zwei Jahren in Japan in BBL und Euroleague zurück. Alle weiteren Kaderpositionen sind zumindest offiziell noch offen.
Aber fürs Erste steht beim entthronten Meister ja ohnehin Wundenlecken an. Einen letzten Pflichttermin hatte man mit dem Fanfest am Montag im Pineapple-Park noch zu bewältigen. Dann steht erst einmal Urlaub auf dem Programm. Und dies ausgiebig. Denn in diesem Sommer steht auch für die Nationalspieler kein Großereignis an.PATRICK REICHELT