Der Hauch des Verbotenen

von Redaktion

Familienbesuch im WM-Quartier – eine ganz spezielle Geschichte

Her mit den Familien: Klinsmann 2006. © Imago

Wollten immer zusammen sein: Bianca und Bodo Illgner. © getty images

Winston-Salem – Julian Nagelsmann hat es treffend verargumentiert: Familienbesuch im Quartier ist ausdrücklich erwünscht. „Es fällt kein Training aus, und wir würden nicht mehr trainieren, wenn die Familien nicht da wären.“ Und: „Wenn die Familien die Jungs, die auch noch Champions League haben und alle paar Tage spielen, ablenken würden, dürften sie gar nicht zu Hause wohnen.“ Darum: Ihr Partnerinnen, ihr Kinderlein, kommet!

Das klingt doch ganz plausibel – dennoch hat Kontakt, den Spieler außerhalb des Mannschaftskreises pflegen, noch immer den Ruch des Verbotenen. Und war lange nicht üblich. Italia Walter hat ihren Fritz 1954 in Spiez bestimmt nicht sehen dürfen, sie musste warten, bis er mit dem Sonderzug nach Hause gekommen war. 1974 büchsten Spieler aus dem Stammquartier Sportschule Malente aus (über den Zaun), um ihre Gemahlinnen zu treffen. Berühmte Geschichte: die Schwielen an den Händen von Sepp Maier, weil im Fluchtfahrzeug die Bremspedale versagten und er zum Entschleunigen und Stoppen die Handbremse einsetzen musste. Nach dem WM-Gewinn von München traten Paul Breitner und Gerd Müller aus der Nationalmannschaft zurück, weil man Frau Breitner und Frau Müller den Zugang zum Bankett verwehrte. Wiederum 20 Jahre später wurde Bianca Illgner berühmt, weil sie regelmäßige Besuchszeiten bei ihrem Bodo forderte.

Jürgen Klinsmann war es dann, der das Familienprogramm salonfähig machte. Vor der WM 2006 erfand er das Regenerationstrainingslager mit Familienanschluss. Dafür ging es eine Woche nach Sardinien. Der Bann war gebrochen. Die Illgners wären mit Julian Nagelsmann als Bundestrainer sehr zufrieden – immer am zweiten Tag nach einem Spiel steigt die Zimmerbelegung.

Was bei den Besuchen geschieht, bleibt unter der Decke. Kommt es zwischen Spieler und Partnerin zu sexuellen Handlungen? Und falls ja, schaden sie der Leistung auf dem Platz? Ein altes Thema der Wissenschaft.

Der Brasilianer Ronaldo, der mit seinen beiden Toren das WM-Finale 2002 gegen Deutschland respektive Oliver Kahn entschied, wurde damals in Yokohama gefragt, ob er während des Turniers enthaltsam gelebt habe. Er verneinte, relativierte zugleich aber: „Es war Passivsex.“

Kaum war dieser Satz in der Welt, war Brasiliens Titel nur noch Nebensache.GÜNTER KLEIN

Artikel 1 von 11