Gesprächsbedarf: Mannschaftsarzt Hahne und Bundestrainer Nagelsmann
Ersatzmann: Rüdiger (unten) steht bereit. Schlotti (links) bleibt erst mal beim Team. © Hassenstein (2)/AFP
Bitteres WM-Aus: Schlotterbeck hat sich ein Innenband gerissen, wird die Heimreise nach Deutschland aber erst einmal nicht antreten. © Gambarini/ Weller/dpa
Winston-Salem – Die MRT-Untersuchung am späten Sonntagabend in Winston-Salem brachte die traurige Gewissheit: Nico Schlotterbeck hat sich beim 2:1 gegen die Elfenbeinküste einen Innenbandriss im linken Sprunggelenk zugezogen und wird laut DFB sogar „mehrere Monate“ ausfallen. Damit ist die Weltmeisterschaft für den Innenverteidiger vorzeitig beendet.
„Schlotti wird uns auf dem Platz als herausragender Verteidiger sehr fehlen, vor allem auch sein exzellenter Spielaufbau. Es hätte seine WM werden können. Wir haben gestern alle versucht, ihn aufzubauen – zum Glück ist er ein sehr positiver Typ, der schon wieder vorausblickt“, sagt Bundestrainer Julian Nagelsmann.
Das Turnier-Aus ist für den 26-Jährigen doppelt bitter: Immerhin wollte er die WM-Bühne auch dafür nutzen, sich für einen Wechsel zu einem europäischen Topclub zu empfehlen. Zwar hat Schlotterbeck seinen Vertrag in Dortmund erst im April bis 2031 verlängert, sich dort aber eine bis Mitte Juli gültige Ausstiegsklausel für einen Wechsel zu Real Madrid, Barcelona und dem FC Liverpool einbauen lassen.
Der Spieler selbst meldete sich am Montagmorgen Ortszeit in den Sozialen Medien zu Wort: „Ich brauche noch etwas Zeit, um das Ganze zu verarbeiten. Was jetzt zählt, ist die Mannschaft. Lasst uns zusammenstehen und zeigen, dass wir in guten wie in schwierigen Momenten hinter dieser deutschen Mannschaft stehen.“ Teamkollege Nadiem Amiri bezeichnete den Ausfall als „schockierend“ und berichtete, dass der Verteidiger beim Physio neben ihm gelegen habe: „Er ist einfach leer.“
DFB-Sportdirektor Rudi Völler nannte den Ausfall bei MagentaTV „tragisch – für den Jungen, aber für uns natürlich auch, weil er uns fehlen wird mit seinem exzellenten linken Füßchen“. Experte Thomas Müller sprach von einer „absoluten Katastrophe“.
Schlotterbeck wird vorerst in Winston-Salem bleiben. „Es ist ein schönes Zeichen, dass er hier im Mannschaftskreis bleibt, denn er hat auch neben dem Platz Einfluss. Trotz seines Ausfalls sind wir in der Innenverteidigung mit Jonathan Tah, Antonio Rüdiger, Waldemar Anton und Malick Thiaw weiterhin sehr gut aufgestellt“, erklärte Nagelsmann.
Routinier Antonio Rüdiger wird seinen WM-Stammplatz wieder sicher haben. Mit dem Dortmunder Anton und Newcastle-Legionär Thiaw stehen darüber hinaus noch zwei weitere Innenverteidiger bereit, die in ihren Vereinen unangefochtene Stammspieler sind und auch in der Champions-League-Saison zahlreiche Partien auf internationalem Top-Niveau absolviert haben.
In Sachen Spielaufbau – die größte Stärke von Schlotterbeck – hat im direkten Dreier-Vergleich sogar Thiaw die Nase vorn. Der 24-Jährige wurde schon in seiner Jugend teilweise im Mittelfeld eingesetzt, was man in seinem Passspiel und seiner Ballbehandlung merkt. Aber Rüdiger bringt die nötige Erfahrung mit.M. BONKE, V. TSCHIRPKE