London – Die Königin ist zurück, und nicht nur Boris Becker ist elektrisiert. Als „wundervolle Neuigkeiten“ bezeichnete der dreimalige Wimbledonsieger die Rückkehr der wohl besten Tennisspielerin der Geschichte auf den heiligen Rasen an der Church Road – auch im Einzel. Aber wird die 44-Jährige, die vor ihrem Rücktritt 2022 insgesamt 23 Grand-Slam-Titel sammelte, auch konkurrenzfähig sein?
Es ist die große Frage, die die US-Amerikanerin in den letzten Tagen vor dem Turnierstart am Montag begleiten wird – und sie sicher enorm antreibt. Williams hatte sich viel Zeit gelassen für ihre Entscheidung, erst am letzten möglichen Tag war ihre Wildcard von den Veranstaltern verkündet worden. Auch im Doppel ist sie am Start in einem spektakulären Team mit ihrer ein Jahr älteren Schwester Venus. „Serena Returns“ – die Organisatoren von Wimbledon hatten am Sonntagabend mit nur zwei Wörtern die Tenniswelt in Aufruhr versetzt. Mehr als drei Jahrzehnte nach ihrem Profidebüt will es die Ausnahmespielerin noch einmal mit der nächsten Generation aufnehmen.
„Denkt ihr, ich bin bereit für ein Einzel? Ich denke, ich muss noch üben“, hatte die normalerweise enorm selbstbewusste einstige Weltranglistenerste zuletzt in Berlin gesagt, wo sie zum zweiten Mal nach ihrem Comeback im Doppel antrat. Doch schon da war zu spüren, dass es die nächste Stufe ihres Comebacks geben würde.
Williams ist eine Erscheinung, sie hat sich außergewöhnliche Verdienste über ihren Sport hinaus erworben mit großem Einsatz für die Gleichberechtigung und gegen Rassismus. Entsprechend laut war das Echo auf ihr Comeback, das sie gekonnt und sicher auch lukrativ inszenierte.
Ob sie nun auch sportlich noch einmal für Furore sorgen kann, ist allerdings fraglich. Bei ihren beiden Doppelauftritten im Londoner Queen‘s Club und in der deutschen Hauptstadt blitzten immer mal Ansätze ihrer einstigen, außergewöhnlichen Qualitäten auf. Dass sie aber die Matchfitness mitbringt, um im Einzel zu bestehen, wird sie beweisen müssen.