TSV 1860

Geschlossen entschlossen

von Redaktion

Insolvenz, drohender Rosenkrieg mit Ismaik – und trotzdem Aufbruchsstimmung

Beifall und Blumen: Mang holte sich die Rückendeckung der Mitglieder. © IMAGO

München – Als es vorbei war, nach gut sieben Stunden, für Löwen-Verhältnisse also zügig, sehnte sich Gernot Mang nach zwei Dingen: ein Bier – und dann Ruhe. Die Tage vor der Versammlung seien anstrengend gewesen, die Wochen seit dem „Schwarzen Mittwoch“ eine Zumutung. Viel Schlaf habe er zuletzt nicht bekommen, merkte der Präsident des TSV 1860 an. Selbst in der Nacht zum Sonntag legte er noch eine Mitternachtsschicht ein, um an seiner Rede zu feilen.

Es wurde eine Rede, die wie ein Nachruf auf die KGaA mit Hasan Ismaik klang – und nach dem von ihm zitierten „Aufbruch“. Mang sprach nicht von einer Krise, sondern von einer historischen „Chance“. Die KGaA müsse nach Lage der Dinge Insolvenz anmelden. Der Verein könne nicht mit einem Partner weitermachen, „der DFB-Richtlinien missachtet, Ehrenamtliche zu strafrechtlich relevanten Handlungen zwingen will und Ticketeinnahmen verpfänden will“.

Statt einer friedlichen Trennung droht den Löwen nun ein Rosenkrieg. Wie lange der Streit um die Kündigung des Kooperationsvertrags und mögliche Schadenersatzansprüche dauern wird, kann niemand seriös abschätzen. In weiser Voraussicht trafen die Mitglieder deshalb Vorsorge. Mit überwältigender Mehrheit stimmten sie für die Gründung einer Spielbetriebs-GmbH unter der Flagge des e.V. Vizepräsident Peter Schäfer drückte es so aus: Die neue Gesellschaft sei nötig, „damit der Profifußball weiterleben kann“, wenn die KGaA abgewickelt wird.

Morgen endet die Drei-Wochen-Frist seit dem „Schwarzen Mittwoch“. Geschäftsführer Manfred Paula dürfte dann kaum daran vorbeikommen, den Gang in die Infanteriestraße anzutreten – schon, um sich nicht dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung auszusetzen. Nach Infos unserer Zeitung drücken die KGaA inzwischen Verbindlichkeiten von rund 9,5 Millionen Euro. Mang kündigte an, sich schnellstmöglich mit einem Insolvenzverwalter zusammensetzen zu wollen. Und er machte den Fans ein Versprechen. Man werde sich auch um diejenigen kümmern, die bereits Geld für Dauerkarten investiert haben – Geld, das nun in der Insolvenzmasse landen könnte. „Wir lassen niemanden im Regen stehen“, sagte der Präsident.

Der Eindruck, der am Sonntag hängen blieb: Die Löwen sind in ihrer wohl größten Krise seit 2017 noch enger zusammengerückt. Die Abstimmungen sprechen Bände: Gerade einmal sechs Mitglieder votierten gegen die neue Spielbetriebs-GmbH – bei der Abstimmung zur Stadion-GmbH waren es ebenfalls nur sechs Gegenstimmen. Auch die Dauer der Versammlung zeugt von geschlossenen Reihen. Nach „nur“ sieben Stunden war Schluss. Vor zwei Jahren, als eine Opposition um Ismaik aufbegehrt hatte, zog es sich doppelt so lange hin. Diesmal war von organisiertem Widerstand kaum etwas zu sehen.

Der ausgerufene „Befreiungskampf“ lässt das e.V.-Lager noch enger zusammenrücken. Geschlossen entschlossen in die Zukunft? Der Weg wird steinig. Aber an diesem Sonntag hatte man im Zenith nicht den Eindruck, dass die Löwen davor Angst haben.ULI KELLNER

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