Experten unter sich: Jan Åge Fjørtoft (li.) und Steffen Freund. © Screen: ServusTV
Für jedes durchgestandene 4-Uhr-Spiel Kolumbien – DR Kongo bekommt der übernächtigte Fußball-Fan einen echten Knaller zur feinsten Sendezeit serviert. So wie gestern Österreich – Argentinien. Das bedeutete: Mozart gegen Messi, Walzer gegen Tango, Hermann Maier gegen Juan Manuel Fangio. Oder auch: Cordoba-Sieger gegen Cordoba-Land. Leider gab’s nichts zu erben für Austria, wie Österreich-Ultra Bastian Schweinsteiger schon vor dem Spiel unkte: „Mein Wunsch wär ein 1:1, die Realität eher 3:0.“ Wir als leistungsfähige Multitasking-Kritiker haben länderübergreifend auf zwei Sendern gleichzeitig zugeschaut.
Messi im Ersten: Argentinien-Besieger Basti Schweinsteiger verriet, was er seinen Kindern erzählt, wenn es um Lionel Messi geht: „Ich sag ihnen, dass wir den in Schach gehalten haben. So viele argentinische Trikots gibt’s nicht bei mir daheim.“ Dafür aber rot-weiß-rote Dressen. Schweini outete sich als begeisterter Austria-Aficionado: „Leider habe ich keinen österreichischen Pass.“ (Die Steuern beim Wohnen in Tirol sind trotzdem nicht verkehrt).
Sein WM-Wunsch: „Wenn die Deutschen nicht Weltmeister werden, dann Österreich.“ Patriot ist er trotzdem. Wer bester Spieler der Welt ist, erkundigte sich Esther Sedlaczek. Messi oder Ronaldo? Klare Basti-Antwort: „Manuel Neuer!“ Er war mit seiner diensthabenden Moderatorin wieder hochzufrieden – weil sie so höflich ist: „Ich mag das, dass Du immer ‚Wie bitte‘ sagst. Alle anderen sagen nimmer nur ‚Was‘? Wunderschön!“ Küss die Hand, Esther!
Messi bei ServusTV: In Österreich übertrug diesmal nicht der ORF das Spiel, sondern der Red-Bull-Sender ServusTV. Oder, wie es auf Piefke-Deutsch heißen würde: HallöchenFernsehen. Dort analysierte das norwegisch-deutsche Duo Jan Åge Fjørtoft und Steffen Freund, das in Österreich so kultig ist wie Per Mertesacker und Chris Kramer bei uns. Seit Freund nicht mehr bei RTL rumbrüllt, hat er also im Ausland Karriere gemacht.
Sprachlich bleibt Steffen schwierig, wenn er die richtige „Balangs“ anmahnt. Für Co-Kommentator und Ex-Nationalspieler Florian Klein fing es gut an, als Tormann Alexander Schlager den Messi-Elfer am Tor vorbei hexte: „Er hat ihn sicher irritiert.“ Aber dann halt doch der Rückstand. Bonus-Frage für Austrophile wie Schweinsteiger: Ist Elfer-Sünder Stefan Posch der Enkel des von Edi Finger senior 1978 in Cordoba abgebusselten Diplom-Ingenieur Posch? Wer’s weiß, kann von Ösi-Basti persönlich zubereitete faschierte Laberl mit Erdäpfelsalat gewinnen.
Fußball-Multikulti: Das Erste hatte die Saarländerin Anna Klär zum Fanfest nach Wels entsandt – was nicht nur ein Angel-Endgegner ist, sondern auch eine Stadt in Oberösterreich. Man kennt sie noch aus dem Andy-Borg-Schlager „Arrivederci, Klär.“ In Wels nahm sie engagiert Dialekt-Unterricht bei den euphorischen „I am from Austria“-Fans: „Da Messi spüt ned lang. Ich hab ghört, zehn Minuten. Einsnull für uns, Astronautovic, Elfmeter!“ Austria-skeptisch war die ansonsten gute Kommentatorin Christina Graf, die begeistert sofort Elfer für Messi gegeben hätte. „Verräterin“ hat sich Basti an dieser Stelle gedacht. So blieb’s beim ewigen Messi-Motto: „I am from Argentina.“