Rhythmus oder Rotation?

von Redaktion

Nagelsmann vor kniffliger Frage mit Blick Richtung K.o.-Runde

Dürfen die Reservisten um Undav, Groß (l.) und Leweling (r.) gegen Ecuador von Beginn an ran? © Charisius/dpa, Gambarini/DPA

Eine echte Einheit: Auch die Bankspieler stürmten nach dem Siegtreffer zu Torschütze Deniz Undav. © Weller/dpa

Winston-Salem – Ein bisschen komisch war der Anblick dann doch: Deniz Undav, mit drei Toren und zwei Vorlagen immerhin Topscorer bei dieser Weltmeisterschaft, nahm am Sonntag am Spielersatztraining der deutschen Nationalmannschaft in Winston-Salem teil. Schließlich brauchte der Stürmer für diese überragende Ausbeute nur 56 Minuten und kam gegen Curacao und die Elfenbeinküste jeweils von der Bank – und war somit für die Einheit der Auswechselspieler eingeteilt, während die Stammspieler ihre Regenerationseinheiten im Teamhotel absolvierten.

Ansonsten herrschte nach dem 2:1-Erfolg gegen die Elfenbeinküste der gewohnte WM-Alltag. Am Montag hatten die Spieler frei und durften wieder mal Zeit mit ihren Familien verbringen, ab heute richtet sich der Blick nun vollends auf das anstehende Duell mit Ecuador am Donnerstag in New York (22.30 Uhr, ARD und Magenta). Eine Sache ist allerdings anders: Weil die DFB-Elf schon sicher als Gruppenerster für die K.o.-Runde qualifiziert ist, könnte Julian Nagelsmann ohne Risiko an seiner Startelf experimentieren und steht vor einer kniffligen Frage: Was ist besser, Rhythmus oder Rotation?

Für Letzteres spricht bei dieser WM natürlich der volle Spielplan: Bereits vier Tage nach dem letzten Gruppenspiel wartet in Boston das Sechzehntelfinale, eine Belastung, die es bislang bei einer WM noch nie gab. Zudem hat die DFB-Elf insbesondere mit Kai Havertz und Felix Nmecha zwei Spieler in ihren Reihen, die weite Teile der Saison verletzt verpassten. Im bisherigen Turnier sind sie absolute Leistungsträger. Eine Verschnaufpause könnte ihnen helfen, die Kräfte für die K.-o.-Runde zu bündeln.

Andererseits könnte zu viel Rotation auch den Rhythmus vor den entscheidenden Partien stören, wovor Lothar Matthäus eindringlich warnt: „Wenn man jetzt denkt, man könne ein bisschen mehr rotieren und mal Ersatzspieler spielen lassen, weil man Gruppenerster ist – nein“, erklärte der Rekordnationalspieler in seiner Kolumne bei Sky. „Man sollte einen Rhythmus und Kern beibehalten. Jetzt im Spiel gegen Ecuador keine Experimente machen. Das wäre der falsche Ansatz.“

Darin pflichtete ihm auch Nadiem Amiri bei: „Wir müssen im Flow bleiben. Jeder Sieg tut uns gut“, erklärte er auf der Pressekonferenz am Montag. „Es werden viele Fans aus Deutschland da sein. Allein deswegen wollen wir mit maximaler Intensität da reingehen. Wir gehen das Spiel wie ein Finale an!“ Julian Nagelsmann steht somit vor einer schwierigen Entscheidung. Durch den nun sicheren Ausfall von Nico Schlotterbeck muss der Bundestrainer jedoch ohnehin etwas an seiner Startelf ändern, Antonio Rüdiger dürfte gegen Ecuador in die Mannschaft rücken. Offen ist darüber hinaus, ob und auf welchen Positionen Nagelsmann zusätzlich noch rotiert. Ein weiterer Startelfkandidat ist natürlich Undav, der nun endlich beginnen könnte. Dann müsste der Stürmer tags darauf auch nicht mehr zum Ersatztraining.V. TSCHIRPKE, M. BONKE

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