DAS WM-TAGEBUCH

Der wahre Zug ohne Bremse

von Redaktion

VON GÜNTER KLEIN

Der Deutsche Fußball-Bund musste bei der Fifa drei Songtitel einreichen, die im Fall von Torerfolgen oder von Siegen bitte abgespielt werden sollen. Es sind bei Treffern der „Major Tom“ und darüber hinaus „Tage wie diese“ von den Toten Hosen und „Der Zug hat keine Bremse“. Ein Ballermann-Lied von den Interpreten Mia Julia, Malle Anja und Lorenz Büffel – vermutlich nicht die bürgerlichen Namen.

Die deutsche Mannschaft hat es genossen, zu diesem Titel ihre Ehrenrunden zu drehen. Was sie aber nicht ahnt, weil die Spieler dafür (bis auf Manuel Neuer) zu jung sind: Dass die Deutschen dieses Lied spielen, ist eine popkulturelle Referenz, eine tiefe Verneigung vor dem Schaffen Hollywoods. „Silver Streak“ heißt der 1976 gedrehte Streifen im Original, in Deutschland kennt man ihn als „Trans-Amerika-Express“. Es ist ein Roadmovie auf Schienen, also ein Railwaymovie. Hauptrolle: Gene Wilder. Handlung: In einem Zug, der von Los Angeles nach Chicago unterwegs ist, geschieht ein Mord. Der liebenswürdig-schusselige Hauptdarsteller wird verdächtigt, der Schurke zu sein, dagegen muss er sich wehren. Eine Komödie, ein Thriller und ein Actionfilm.

„Der Zug hat keine Bremse.“ Das ist am Schluss der Fall. Er rast auf den Sackbahnhof von Chicago zu, auf die Union Station. Gene Wilder und seinen Co-Helden gelingt es, die Waggons abzukoppeln, alle und auch sich zu retten. Und die Lok donnert mit Karacho in die Bahnhofshalle. Was für eine herrliche Orgie der Zerstörung!

2014 gewann Deutschland mit seinen Flamengo-Trikots die Sympathien Brasiliens, nun huldigt der DFB einem Great American Movie zu dessen 50-Jahre-Jubiläum. Wie clever.

Artikel 1 von 11