Deutsche Stars? Fehlanzeige!

von Redaktion

WM im Zeichen der Haalands, Messis, Mbappés – nur Reus rettet Bilanz

In Deutschland gefeiert, in der USA nicht: Wirtz und Musiala. © Hufnagel/IMAGO

Bekanntester deutscher Kicker in den USA: Marco Reus. Der Rest: dominiert von Weltstars. © KLEIN, epa

New York – Am Times Square fließen in New York die Besucherströme zusammen. Bei Tag, bei Nacht: Hier blinkt und leuchtet es. Stumm laufen auf gigantischen Screens an den Hochhausfassaden Werbe-Clips. Derzeit in der Rotation: Erling Haaland. Es wird gezeigt, wie er norwegischen Lachs isst. Die Botschaft lautet: Darum ist er so gut. Also Haaland.

Die Amerikaner kennen Erling Haaland – obwohl er aus dem kleinen Norwegen stammt, das im Weltfußball derzeit nicht mehr als ein Geheimtipp ist. Doch er ist eine markante Erscheinung mit seinen gebändigten blonden Haaren und seinem unschuldigen Gesicht, das im Kontrast steht zur Wucht, die sein Körper auf dem Spielfeld entfacht. Vor allem: Er spielt für Manchester City – und die Premier League wird in den USA verfolgt. Das wöchentliche Topspiel aus England ist in den USA ein Hit auf NBC Sports. Rebecca Lowe, die es jeden Samstag präsentiert, ist ein TV-Star in den USA, auch das hilft, die Aufmerksamkeit auf Fußball aus der Premier League zu richten. Während der WM ist sie das Gesicht von Fox Sports, das alle Spiele zeigt.

Erling Haaland. Lionel Messi, Kylian Mbappé, Neymar, auch noch der alternde Cristiano Ronaldo – ihre Köpfe prägen das Bild auf den Straßen und in den Läden. Am Times Square liegt der nach Pelé benannte „The World‘s Greatest Soccer Store“. Das ist eine maßlose Übertreibung, selbst Shops, die die Artikel eines einzelnen Vereins vertreiben (FC Bayern, FC Barcelona), haben deutlich mehr Fläche. Doch zur Ladenöffnung um zehn Uhr bilden sich vor „Pelé“ Schlangen – und drinnen bekommt man einen guten Eindruck, wer und was angesagt ist. Die englischen Trikots sind mit Namen beflockt (Saka, Walker), es gibt die amerikanische Helden (Pulisic, mit Alex Morgan auch eine Fußballerin), zahlreiche Franzosen. Deutsche Trikots – vorhanden, aber unbeflockt.

Wer waren die letzten deutschen Weltstars? Oliver Kahn – ihn verehrten die Asiaten. Michael Ballack – 2010 in Südafrika fragten die Leute, warum er nicht dabei war. Und dann war noch Mesut Özil ganz groß – gefeiert von der muslimischen Community, als die deutsche ihn schon hatte fallen lassen. Toni Kroos – da wurde global anerkennend genickt. Einer, der mit seinem Auftreten die Massen verrückt gemacht hätte, war er nicht.

Lionel Messi ist der Werbekönig der WM, sein Antlitz sieht man auch auf den Chipstüten von Lay‘s, einem der offiziellen Fifa-Sponsoren. Sogar zwei kanadische Spieler – Richie Laryea und Nathan Saliba – wurden unter Vertrag genommen, dazu David Beckham und Thierry Henry, der jetzt Experte bei Fox ist.

Man sieht keinen deutschen Kopf. Keinen Jamal Musiala, keinen Florian Wirtz, obwohl er für die große Marke Liverpool FC spielt – aber er fällt nicht so auf, wie man Amerikanern auffallen muss. Zu introvertiert, zu wenig schillernd.

Ein deutscher Name ist im Pelé-Store aber doch noch zu finden. Der aktuelle amerikanische Meister mit Los Angeles. Marco Reus gibt es als Vinyl-Figur.GÜNTER KLEIN

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