Geheimwaffe Eistonne

von Redaktion

Sportmediziner erklärt den WM-Trend – unsere Zeitung macht den Test

Unser Reporter hielt es knapp zwei Minuten aus. © Privat

Die Bayernstars setzten bei der Club-WM ebenfalls auf die Eistonne. © FCB

Winston-Salem – Das Zitat wurde direkt Kult: „Glauben Sie, unter den letzten 16 ist eine Karnevalstruppe, oder was?“, herrschte ein genervter Per Mertesacker einen Reporter nach dem Achtelfinale gegen Algerien 2014 an. „Ich lege mich jetzt drei Tage in die Eistonne, und dann sehen wir weiter!“

Spätestens seitdem ist die Eistonne nicht mehr nur Experten ein Begriff. In den vergangenen Jahren hat sich das Eisbad zu einem festen Bestandteil der Regeneration im Profisport entwickelt – auch bei dieser WM. Zahlreiche Teams setzen darauf, darunter der DFB. Julian Nagelsmann erklärte bereits vor dem Turnier im „Spielmacher“-Podcast, wie sehr er bei der Hitze-WM den Fokus auf Regeneration durch Kälte legt.

Doch was macht das Eisbad so wertvoll? Dr. Milan Dinic erklärt: „Bei der Fußball-WM stehen die Spieler vor einer besonderen Herausforderung: hohe Temperaturen, intensive Sonneneinstrahlung und enorme körperliche Belastungen.“ Beim letzten Gruppenspiel gegen Ecuador in New York werden rund 30 Grad und pralle Sonne erwartet. „Unter diesen Bedingungen können Eistonnen nach Training und Spielen ein wertvolles Regenerationsinstrument sein. Der Kältereiz sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße zunächst zusammenziehen und anschließend wieder weiten. Dieser Wechsel kann die Durchblutung fördern und die Erholung unterstützen.“

Und weiter: „Die Kälte kann helfen, das subjektive Erholungsgefühl zu verbessern, Muskelermüdung zu reduzieren und den Organismus nach Belastung schneller wieder ins Gleichgewicht zu bringen.“ Heißt: Eisbäder sollen die Regeneration beschleunigen. Aber funktioniert das auch bei der Hitze in North Carolina? Unser Reporter hat den Selbstversuch gemacht. Nach einem acht Kilometer langen Lauf bei rund 35 Grad kam einige Tage später unter ähnlichen Bedingungen eine Eistonne zum Einsatz, wofür kurzerhand eine Mülltonne mit Wasser und fünf Säcken Eiswürfeln gefüllt wurde. Knapp zwei Minuten hält er es darin aus. Die Kälte ist extrem, aber gerade noch auszuhalten. „Ein bisschen wie der Schock nach der Sauna“, lautet sein Fazit – nur, dass diesmal im Vorfeld gejoggt wurde.

Das Ergebnis: Die Beine fühlten sich bereits am Abend leichter an, am nächsten Tag spürte er weniger Muskelkater. Und genau solche kleinen Unterschiede können im eng getakteten Alltag der Profis entscheidend sein. Deshalb überrascht es kaum, dass der DFB und viele andere Nationalteams auf diese Form der Regeneration setzen. Übrigens: Auch die Bayern schwörten bei der Club-WM letztes Jahr auf das Wundermittel.V. TSCHIRPKE, M. BONKE

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