Edmonton – Leon Draisaitl, Deutschlands Eishockey-Star, hat einen neuen Trainer – doch die ganze Stadt ist in Aufruhr, seit Tagen schon: Mike Babcock (63) soll die Edmonton Oilers zum ersehnten Stanley-Cup-Gewinn führen? Babcock, der aus guten Gründen seit drei Jahren keinen NHL-Job mehr hatte? Babcock, den manche für den ekelhaftesten Typen in der Branche halten?
Es ist nicht so, dass Babcock nicht erfolgreich wäre, Er gehört zu den Coaches mit den meisten gewonnenen NHL-Spielen, er hat Kanadas Nationalmannschaft zu den Olympiasiegen 2010 und 14 geführt. Aber er steht eben auch dafür, in den Kabinen eine toxische Atmosphäre zu schaffen. Beispiel: In Toronto bat er Neuling Mitch Marner, die älteren Mitspieler nach deren Arbeitsethik zu ranken – den schlecht platzierten Spielern legte Babcock die Liste vor. Bei den Columbus Blue Jackets wurde Mike Babcock 2023 ohne Spiel entlassen. Hintergrund: Er bestellte die Spieler zu Einzelgesprächen und forderte sie auf, ihm die Fotos auf ihren Handys zu zeigen – Begründung: Er wolle sie so näher kennenlernen.
Seit diesen Geschichten ließen alle Clubs die Finger von Babcock. Die Oilers wollten eigentlich Bruce Cassidy, kürzlich bei den Vegas Golden Knights freigestellt, holen – durften aber nicht mit ihm verhandeln. Zur Verpflichtung von Babcock musste die NHL erklären, dass keine weiteren Ermittlungen mehr gegen ihn geführt werden.
Zu den treibenden Kräften, sich auf Babcock einzulassen, gehören die Superstars Leon Draisaitl und Connor McDavid. Sie waren an den Gesprächen mit dem 63-Jährigen beteiligt, der Spieler antreiben soll, die hinter den Erwartungen geblieben sind. Bei seiner Präsentation lobte Babcock „die phänomenale Interaktion mit der Leadership-Gruppe“. In Insiderkreisen hieß es zuletzt: Draisaitl will Babcock unbedingt.
Die Medienresonanz, auch lokal in Edmonton, ist verheerend. zuletzt gingen Spieler gerne zu den Oilers, McDavid und Draisaitl hatten sie attraktiv gemacht.GÜNTER KLEIN