Von Sauer im Blick: Hincapié (l.). © Fassbender/AFP/dpa
München – Mal kurz scouten ist mit Blick auf mehr als 10.000 Kilometer Entfernung schwierig. Aber dass Jochen Sauer sich im ecuadorianischen Fußball dennoch bestens auskennt, ist kein Zufall. Der Chef des FC Bayern Campus zeichnet im Rahmen des Joint Venture „Red&Gold“ verantwortlich für die Partnervereine, die der FC Bayern und der Los Angeles Football Club auf der ganzen Welt haben – so auch für Sociedad Deportiva Aucas aus Quito. Und er weiß, was die DFB-Elf an diesem Donnerstag wohl zu spüren bekommen wird: „Ecuador ist ein kleines Land, aber die Dichte an Fußballtalent ist sehr hoch.“
Logisch, dass die Bayern ihre Fühler im südamerikanischen Raum dorthin ausfahren, wo das meiste Potenzial schlummert. Nach Uruguay und dem Racing Club de Montevideo wurde Aucas ins Visier genommen, mit klarem Ziel, womöglich den nächsten Ecuador-Star zu finden. „Die Spieler“, sagt Sauer, „entwickeln sich dort so gut, dass sie in Europa relativ schnell auf Profinniveau zurechtkommen.“ WIllian Pacho in Frankfurt und Paris, Piero Hincapie in Leverkusen.
Als „athletisch, taktisch und von hoher Intensität“ bezeichnet der 53-Jährige den Fußball in Ecuador, von der Jugend an. Anders als in Afrika, wo „Wettbewerb auf hohem Niveau und oft taktische Ausbildung fehlen“, sind die Ligensysteme in Ecuador „auch im Nachwuchs sehr gut organisiert“. Ähnlich wie Brasilien und Argentinien spielt Ecuador früh „auf taktisch hohem Niveau“. Sauer vergleicht es „gerne mit Kroatien, das ja bei großen Turnieren verlässlich in der K.o.-Runde steht“. Gemessen an der Einwohnerzahl ist das Talent enorm: „Der Markt ist dennoch klein und überschaubar, das macht das Scouting einfacher.“
Wie Ecuador bei einer WM-Teilnahme 2030 oder 2034 antreten könnte, kann Sauer sich ausmalen. Aber als Kenner des Marktes wagt er auch eine Prognose für das Finale der Gruppe E. „Deutschland wird mit Engagement, Dynamik, Athletik und Leidenschaft konfrontiert.“ Gut, dass es um nichts geht.HANNA RAIF