DAS WM-TAGEBUCH

Paul und ich – Brüder im Geiste

von Redaktion

Günter Klein

Neulich saß ich zehn Stunden in einem Bus, von Kanada ging es in die USA. Zehn Stunden, eine Qual? Nein, ein Vergnügen – dank Paul, dem Busfahrer. Ein alter Fahrensmann sozusagen, der viele Geschichten erzählen konnte von kuriosen Einreisekomplikationen bei Grenzübergängen und der eine klare Meinung hat zum „größten Präsidenten aller Zeiten, der gegen Migranten ist, aber dessen erste Frau Migrantin war, dessen zweite Frau Migrantin ist und der selbst aus einer Migrantenfamilie stammt“. Vor allem aber war es ein schöner Trip, weil Paul und ich während der Pausen tiefe Gespräche über Eishockey führen konnten. Wir vertieften uns in die Kaderplanung seines Teams, der ewig scheiternden Toronto Maple Leafs. Am Wochenende ist NHL-Draft, Pauls Team darf als erstes ziehen, und Paul ist noch am Zweifeln, wen. Letztlich war es wie ein Stammtischgespräch à la „Muss Nagelsmann endlich Undav spielen lassen?“. Richtig heiß lief Paul beim Thema Familie Tkachuk. Der Vater war NHL-Spieler, die Söhne sind es. Matt und Brady sind harte Trump-Fans, gewannen mit den USA Olympiagold – für Paul sind sie beide „a pain in the ass“. Matt Tkachuk provozierte in Mailand den deutschen Star Leon Draisaitl vor laufenden Kameras: „Na, Leon, immer die Brautjungfer, niemals die Braut.“ Paul hält die Tkachuks für „überbezahlte Durchschnittsspieler“. Matt (Florida) und Brady (Ottawa) spielten bisher in getrennten Clubs. Kurz bevor wir unser Reiseziel New York erreichten, ploppte auf Pauls Handy eine Meldung auf – und er rief sie mir zu: „Brady Tkachuk traded to Florida.“ Er schimpfte wie ein Rohrspatz. Irgendwie sind doch alle gleich im Sport. Paul und ich, wir haben uns sehr herzlich voneinander verabschiedet.

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