Eines muss man Neymar lassen: Er hat alles gegeben. Aber die Journalisten kamen der ernst gemeinten Bitte des einstigen 222-Millionen-Mannes nicht nach. „Sprechen wir lieber über Vini“, hatte das inzwischen 34 Jahre alte Volksidol nach dem 3:0 seiner Brasilianer gegen Schottland gesagt, allerdings schnell gemerkt, dass so ein Comeback nach 981 Tagen halt doch interessanter zu sein scheint als der nächste Doppelpack des knapp zehn Jahre jüngeren Kollegen Vinicius Jr.
Die Fußballwelt dreht sich weiter, die Helden aber bleiben. Dass Cristiano Ronaldo im ersten Portugal-Spiel zum zweitältesten Feldspieler einer WM wurde, passt zu diesem Turnier, an dem die „Oldies“ Tag für Tag die Schlagzeilen bestimmen. Bei 41 Jahren und 132 Tagen stand er zum Turnierstart, man sieht sie ihm nicht an. Aber auch wenn das eine andere Sache ist, spiegelt Ronaldos Astralkörper eine Entwicklung wider, die in vielen Sportarten zu sehen ist.
Lewis Hamilton (41) fährt plötzlich wieder allen davon, Novac Djokovic (39) jagt seinen 25. Grand-Slam-Titel, und bei der WM geht es um Ronaldo, Lionel Messi (39), Manuel Neuer (40), Luka Modrić (40), Edin Dzeko (40), Neymar & Co. Alles Spieler, die zum ersten Mal im Rampenlicht standen, als Lamine Yamal oder Lennart Karl noch nicht mal geboren waren. Seitdem allerdings haben sie viel richtig gemacht – in einem System, das das Altern verlangsamen kann, wenn man die Sache ernst nimmt.
Mit Professionalität in Training, Ernährung, Regeneration, Medizin und Psychologie hat eine große Generation an Spielern ihre Karriere weit über den Punkt verlängert, der im Spitzenfußball lange als möglich galt. Wenn Harry Kane mit 32 davon spricht, nun in die zweite Hälfte seiner Karriere zu starten, kann man ihm das abnehmen. 40 ist das neue 30.
Ich schreibe diese Zeilen übrigens nicht ganz uneigennützig. Zwei Monate habe ich noch, dann werde ich 40… äh, 30! Aber gut. Sprechen wir lieber über Vini!