„Aufgewecktes Kerlchen“

von Redaktion

Trainingstorhüter Urbig bringt sich in Stellung – auch für die WM 2030

Man versteht sich: Neuer und Urbig auf dem Rad, die DFB-Torhüter im Training. © Feil/IMAGO Woitas/dpa (2)

Jonas Urbig trainiert mit Oliver Baumann und Manuel Neuer und könnte sie bald beerben.

East Rutherford – Das Bild ist schon ein bisschen traurig. Wenn sich die deutschen Fußball-Nationalspieler bei der WM für das Abspielen der Hymnen rund um den Mittelkreis aufstellen, biegt Jonas Urbig regelmäßig auf die Ersatzbank ab. Die große Torhüter-Nachwuchshoffnung wurde von Bundestrainer Julian Nagelsmann schließlich nicht in den 26er-Kader berufen – und die FIFA-Regeln kennen kein Pardon: Urbig darf vor dem Spiel nicht mit auf den Platz.

Ganz anders stellt sich die Situation im Spry Soccer Stadium von Winston-Salem dar. Wenn Nagelsmann seine Stars im deutschen Turnier-Quartier zum Training bittet, ist Torhüter Urbig mittendrin statt nur dabei. So lautet auch die offizielle Rollenbeschreibung für den 22-Jährigen: Trainingstorhüter.

„Wir brauchten noch jemanden, der sich dann auch im Training nicht zu schade ist, sich in alles hereinzuwerfen, um das höchste Niveau herauszukitzeln“, begründete Nagelsmann die ungewöhnliche US-Reise des Schlussmanns des FC Bayern. Deniz Undav, Florian Wirtz und Co. knallen auch nach der offiziellen Einheit gerne noch einmal ein paar Bälle auf den Kasten. „Das dürfen sie nicht immer, aber gelegentlich. Und dann ist es schon gut, wenn man die Belastung auf mehrere Personen verteilen kann. Deswegen ist Jonas verdientermaßen dabei“, sagte Nagelsmann.

Und Urbig erfüllt die in ihn gesteckten Erwartungen glänzend. Sein Engagement auf dem Trainingsplatz ist genauso groß wie das der „echten“ WM-Torhüter Manuel Neuer, Oliver Baumann und Alexander Nübel. „Jonas ist eine Bereicherung für uns als Mannschaft. Er trainiert auf höchstem Level“, bestätigte Neuer, der sich in der Gegenwart seines Kronprinzen sichtlich wohlfühlt. Nicht nur bei der Turnier-Generalprobe in Chicago verbrachten Neuer und Urbig viel Zeit miteinander.

Auch wenn er nicht im offiziellen DFB-Aufgebot steht, kann Urbig langfristig profitieren. Für Neuer (40) und Baumann (36) dürfte nach der WM in der Nationalmannschaft Schluss sein, dann könnte Urbigs Stunde schlagen. „Er gibt Gas, auch hinsichtlich seiner Zukunft“, hat Neuer erkannt. Daher sei es für ihn „wichtig, Turnierluft zu schnuppern und die Abläufe kennenzulernen“. Urbig, betonte der Weltmeister von 2014 zudem, sei ein „kompletter Bestandteil unserer Mannschaft“.

Auch Nagelsmann lobte Urbig als „aufgewecktes Kerlchen“. Der Bundestrainer hatte zudem bei der Rollenzuteilung noch einen anderen Gedanken im Hinterkopf. Falls sich einer seiner drei Torhüter während des Turniers verletzten sollte, darf er– anders als bei den Feldspielern – einen nachnominieren. „Es ist schon super weit, bis einer aus Deutschland einfliegt“, sagte Nagelsmann.

So genießt Urbig die Zeit, auch wenn seine Einsatzchancen eigentlich nicht vorhanden sind. Grundsätzlich sei er „mental immer darauf vorbereitet, dass ich gebraucht werde“, versicherte er zuletzt einmal. Was er beeinflussen könne, sei, „Mindset und Qualität mitzubringen und das dann umzumünzen“.

Wenn ihm das weiter so gut gelingt wie in der vergangenen Saison in München und im Training der Nationalmannschaft, dann wird er auch bald beim Abspielen der Hymnen mit auf den Platz dürfen.

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