Das Zwischenfazit zur XXL-Weltmeisterschaft

von Redaktion

Adidas-Boss Gulden freut die XXL-WM. © Gambarini/dpa

Gulden, Klopp und Khedira (v.li.) am East River in New York. © Gambarini/dpa

New York – Die Vorrunde der WM ist schon in die entscheidende Phase eingetreten, ein paar Teams wissen seit der zweiten Runde, dass sie bald abreisen müssen – jedenfalls: Das Turnier wird kleiner, es sind dann 32 Mannschaften übrig, die vertraute Größe. Man kann bereits zurückblicken: Die erste 48er-WM, wie hat sie sich angefühlt? Und man kann die Diskussion einleiten: Ist das vergrößerte Teilnehmerfeld das Modell für die Zukunft?

Jürgen Klopp stand im „Adidas Home of Soccer“ unter der Brooklyn Bridge und erzählte eine Begebenheit rund ums WM-Eröffnungsspiel in Mexiko. Ein Fan schenkte ihm ein Trikot von Chile. „Da habe ich gemerkt: Die sind gar nicht dabei.“ Den Überblick über das Tableau zu behalten, über zwölf Gruppen mit je vier Nationen – schwierig. Und Klopp, der Weltfußball-Koordinator bei seinem Arbeitgeber Red Bull und WM-Experte des Senders Magenta TV, muss zugeben, „dass ich bei den kleineren Nationen keinen einzigen Spieler kannte“.

Insgesamt findet er: „Der Fußball, den wir sehen, ist gut.“ Jedoch schränkt er ein: „Nicht jedes Spiel.“ Sein Blick voraus: Von einigen Exoten werde man sich bald verabschieden müssen, und ab dem Viertelfinale sei es wie immer: „Da wird es rauschen im Karton, da trifft Weltklasse auf Weltklasse. Und wer es noch nicht ist, wird es auf dem Weg dorthin werden.“

Sami Khedira stand neben Jürgen Klopp. Der Weltmeister von 2014 war zwei Wochen bei der WM unterwegs – Selbstbeschreibung seiner Rolle: „als Fan.“ Der Fan Khedira erfreute sich an einer Zugfahrt mit den Norwegern zum Spiel gegen Senegal in New York, dafür kaufte er sich ein 98-Euro-Transport-Ticket hinüber nach New Jersey ins MetLife-Stadion. Gut, Norwegen ist so stark, dass es sich gewiss auch für eine WM mit 32 Teams qualifiziert hätte – aber Khedira hat seinen Spaß gefunden an der Atmosphäre der WM. Am bunten Treiben rund um die Stadien, in den Städten.

Seine Spielerzeit liegt noch nicht so weit zurück, dadurch spürt er in sich auch noch Bedenken gegen eine Weltmeisterschaft im XXL-Format. „Wenn du für Real Madrid oder Juventus spielst, würde es extrem stören, dass die WM eine Woche länger geht und du bald danach wieder ins Vereinstraining einsteigen musst. Und als Trainer eines Clubs, der viele Spieler bei der WM hat, kotzt du ganz schön ab.“

Eine andere Perspektive hat Björn Gulden, der CEO von Adidas, Ausstatter von 14 WM-Mannschaften. Der Norweger, früherer Zweitligaprofi beim 1. FC Nürnberg, nimmt die WM „unter kommerziellen Gesichtspunkten“ wahr. Die Rechnung lautet: „Mehr Teams, mehr Umsatz.“ Die Zielgröße für Adidas sind allein durch die WM eine bis 1,5 Milliarden Euro. Die schiere Größe der WM 2026 treibt die Zahlen in die Höhe: „Der Absatz der Deutschland-Trikots ist im Vergleich zur WM 2022 auf das Dreifache gestiegen.“ Er weiß, dass die großen Nationen mit dem 48er-Format den kleinen entgegenkommen. „Es dauert nur eine Woche länger. Habt Mitgefühl!“GÜNTER KLEIN

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