Das ist uns jetzt schon einige Male passiert: Wir standen in Manhattan vor einer roten Fußgängerampel, verspürten den Drang, schnell über die Straße zu huschen, und taten es auch. Erst in diesem Moment bemerkten wir: Huch, da steht ein Cop und beobachtet uns. In Deutschland würde eine solche Situation mindestens zu einem Erziehungsgespräch führen, in dem der Passant auch als der Ältere der zu Erziehende sein würde. Es könnte auch eine Anzeige folgen. Und ein Überweisungsträger. In New York passierte: nichts. Der Polizist, wahlweise auch die Polizistin, sie standen einfach nur da. Sie reagierten nicht, sie strahlten Gleichmut aus. Die Waffe verharrte im Holster, die Finger blieben am Gürtel eingehakt, die Hand wurde nicht zum Schlagstock geführt. Der Blick: absolut unbeteiligt. Kein Funkeln einer Drohung. Es gibt schlimme Geschichten aus Amerika von Polizeigewalt. Offensichtlich gibt es, zumindest in New York, aber auch Polizisten, deren Aufgabenbereich lediglich die stumme Präsenz ist. Meist sogar paarweise, oft stehen die Besetzungen an jeder Kreuzung (und Kreuzungen gibt es viele im System aus Avenues und Streets). Und irgendwie pendelt sich das alles ein: Fußgänger gehen bei Rot, die Autos röhren dennoch bei Grün nicht los. Alles fließt ineinander, während das Auge des Gesetzes wacht. Ob die Präsenz-Polizisten glücklich sind? Würden sie manchmal lieber am Schreibtisch sitzen, einen Bericht schreiben, einen Tatort betreten, einen Fall klären, Streife fahren? Was erzählen sie zu Hause nach Feierabend? Wurden für die WM und die Fans mehr Stellen dieser Art besetzt? Egal: Das Konzept der Komplizenschaft zwischen Behörde und Volk scheint zu funktionieren. ACAB – All Cops are Buddies.