Pflichttermin im Dienst der Bundesliga: Mario Götze in New York. © Günter Klein
New York – Mario Götze betritt die Bühne, und es geschieht, was geschehen muss: Aus dem Auditorium ertönt der Ruf mit dem Satz zu seiner Karriere: „Mach ihn!“ Götze lacht leicht auf.
„Mach ihn – er macht ihn“, so schilderte ARD-Reporter Tom Bartels im WM-Finale von 2014 die Sequenz, die zum Siegtor gegen Argentinien und zum deutschen Titelgewinn führte. Flanke Andre Schürrle, Ballannahme, halbe Drehung und Abschluss von Mario Götze. Bei seiner Einwechslung kurz zuvor hatte Bundestrainer Joachim Löw zu Götze gesagt: „Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi.“ Das ist der zweite berühmte Satz zu Götze.
Mario Götze ist gerade bei der WM in den USA. Das ist für die Fans, die ins „German House of Soccer“ gekommen waren, eine schöne Geschichte. Denn wann sieht man einen Star mal aus der Nähe, kann sich ein Autogramm holen? Der traurige Part der Geschichte ist, dass Götze nicht in der Rolle in Amerika weilt, die aufgrund seines Talents möglich wäre: nämlich als Spieler. Cristiano Ronaldo ist mit 41 da, Luka Modric mit 40, Lionel Messi wurde gerade 39 – und zeigt der Welt, dass Mario Götze (34) nicht an ihm vorbeigekommen ist.
Götze ist noch Profifußballer, bei der Frankfurter Eintracht hat er einen neuen Zweijahresvertrag unterschrieben. In Diensten seines Clubs ist er auch nach New York gereist, die Bundesliga wirbt für sich auf dem nordamerikanischen Markt. Man würde wissen wollen, ob es ihn nicht umtreibt, dass er für die Nationalmannschaft so überhaupt kein Kandidat mehr war. Er sieht gut aus, jünger als 34, er ist drahtig, hat, wenn er in Frankfurt eingesetzt wird, auch gute Laufwerte. Doch Mario Götze nimmt nur die Fragen der Moderatorin entgegen, die für die Bundesliga im Büro in New York arbeitet. Im Gegensatz zu anderen Stargästen im German House gibt es mit ihm keinen Medientermin.
Die WM 2014 verlief bis auf den Finalmoment nicht gut für ihn, nach der EM 2016 verschwand er stillschweigend aus dem DFB-Team; es gab nur ein kurzes Comeback bei der WM 2022. Gemessen an der Fülle seiner Möglichkeiten ist Mario Götze gescheitert. Aber er will das nicht aufarbeiten.
2013 war er nicht nur wegen des Geldes zu den Bayern gewechselt, sondern auch, weil er den Ehrgeiz hatte, unter Pep Guardiola zum besten Spieler der Welt zu werden. Doch schon im Fifa-WM-Film zu 2014 („Match 64“) saß er da wie einer, der nur noch zurückblickt. Zwölf Jahre später ist er quasi ein WM-Tourist: „Ich bin hier mit Frau und Kindern, wir schauen ein paar Spiele an, haben eine gute Zeit.“
Er ist weit weg von dem, wofür er geschaffen wäre.GÜNTER KLEIN