DAS WM-TAGEBUCH

Allein zwischen Picasso und Pollock

von Redaktion

Von Vinzent Tschirpke

Ich muss gestehen: Dafür, dass mein Vater jahrelang hauptberuflich als Künstler gearbeitet hat, habe ich verdammt wenig mit Kultur am Hut (kleine Schleichwerbung an dieser Stelle: einfach mal Norbert Tschirpke googeln, zahlreiche Bilder stehen noch zum Verkauf). Ein bisschen kulturelles Interesse habe ich in all den Jahren aber doch abbekommen – und entsprechend freute ich mich über den Pressetermin, der meinem Kollegen Manuel Bonke und mir für Donnerstag vor dem Deutschland-Spiel angeboten wurde: eine Führung durch das MoMA (Museum of Modern Art), bevor es für den regulären Betrieb öffnet. Eine Dreiviertelstunde allein in einem der berühmtesten Museen der Welt, ermöglicht durch eine Kooperation mit Volkswagen. Also: Nichts wie hin zu Picasso, Pollock, Matisse und van Gogh. Natürlich in Begleitung meines treuen Reporterkollegen, der allerdings ebenfalls alles andere als ein ausgewiesener Kunstexperte ist. Und so liefen wir gemeinsam durch die heiligen Hallen und versuchten, uns mit pseudoklugen Kommentaren über Wasser zu halten. Van Gogh? Klar, der mit dem abgeschnittenen Ohr. Picasso? Klasse Bilder, aber im echten Leben halt ein Arsch. Pollock? Genial – den Unterschied zwischen seinen Bildern und fünf umgekippten Farbeimern erkennt schließlich jeder sofort. Immerhin bei einem Werk konnten wir aber punkten: Zum berühmten Bild „Dynamik eines Fußballspielers“ von Umberto Boccioni fielen uns besonders geistreiche Kommentare ein, das Gekritzel erinnert schließlich an die Taktiktafeln von Pep Guardiola. Was uns allerdings wunderte: Warum auf einmal so viele Tomatensuppendosen an der Wand hingen – die Kantine war doch eigentlich im anderen Stockwerk…

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