KOMMENTAR

Das Problem liegt auch in den Köpfen

von Redaktion

Über die Anfälligkeit des DFB

Im Weltfußball gibt es große Debatten darüber, wie Mannschaftskulturen vererbt werden: Warum verliert Real Madrid nie ein Finale? Was bedeutet das Mia san Mia des FC Bayern? Und wieso kann die englische Nationalmannschaft (Achtung: Stammtisch-Witz!) kein Elfmeterschießen gewinnen? Im Vereinsfußball lässt sich diese Frage zumindest damit beantworten, dass Spieler und Vereinsverantwortliche über Jahre tagtäglich zusammenarbeiten und so Arbeitsmoral und Einstellungen weitergegeben werden. Im Nationalmannschaftsfußball ist es dagegen deutlich schwieriger, psychologische Muster zu interpretieren – schließlich finden die großen Turniere nur alle zwei beziehungsweise vier Jahre statt, häufig mit verändertem Personal.

Trotzdem merkt man auch der DFB-Elf des Jahres 2026 den Druck an, der durch das zweimalige Verpassen der K.o.-Runde 2018 und 2022 entstanden ist. Wann immer sie in brenzlige Situationen gerät, kommt sie zumindest für ein paar Minuten ins Wanken. So war es schon nach dem Ausgleich Curacaos im Eröffnungsspiel, so war es in ausgeprägterer Form beim Sieg gegen die Elfenbeinküste – und besonders deutlich war es am Donnerstag gegen Ecuador zu beobachten, obwohl es tabellarisch um nichts mehr ging.

Auch wenn aus dem Kader von 2018 nur noch vier Spieler verblieben sind (Neuer, Rüdiger, Kimmich und Goretzka), scheint es fast so, als wäre die Nervosität dieser Generation auch auf den aktuellen Kader übergegangen. Und genau das könnte der DFB-Elf im weiteren Turnierverlauf zum Verhängnis werden.

Natürlich haben auch Frankreich, England oder Spanien mal schlechte Tage. Der Unterschied ist nur: Sie brechen deshalb nicht sofort auseinander. Sie bleiben stabil, finden Wege zurück ins Spiel und vertrauen ihrer Qualität. Deutschland dagegen verliert nach Rückschlägen viel zu schnell die Kontrolle. Das Problem liegt deshalb nicht nur in den Beinen – sondern auch in den Köpfen der Spieler.

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