Timo Jankowski arbeitete vier Jahre lang erfolgreich auf Fidschi. Die Teams qualifizierten sich für Junioren-Weltmeisterschaften.
Kap Verde begeistert. © Sladky/dpa
Fallrückzieher, Sand und Sonne: Fidschi setzt auf Kreativität und eine gute Technik. © Privat
Vier Jahre lang war Timo Jankowski Technischer Direktor für den Fußballverband auf Fidschi. Nun ist er zurück in Europa und verantwortet den Nachwuchsbereich beim FC Basel. Im Interview mit unserer Zeitung spricht Jankowski über die besondere Arbeit auf einer Insel und die Erfolge von Curacao und Kap Verde.
Herr Jankowski, Sie haben vier Jahre als Technischer Direktor für den Fußballverband auf Fidschi gearbeitet. Nun sind Sie zurück in einem NLZ, beim FC Basel.
Es gab einen emotionalen Höhepunkt. Wir haben uns zweimal in Folge für die U 17-WM in Katar qualifiziert. 80 Prozent der Spieler waren eigentlich meine Nachbarn. Als ich angekommen bin, kannten die nicht mal die Regeln. Es ist ein 3000-Einwohner-Dorf. Ich habe die Spieler in mein Büro geholt und gezeigt, wo Katar liegt. Und gesagt: So, dafür trainieren wir jetzt sechsmal die Woche. Die erfolgreiche Qualifikation war dann ein schöner Moment, um erst mal aufzuhören. Nach meinem Abschied wurde ich auf die Insel des Königsgeschlechts eingeladen. Die letzte weiße Person, die auf die Insel durfte, war Queen Elizabeth im Jahr 1978. Das war eine riesige Ehre für mich.
Was bedeutet es für eine kleine Nation, an einem internationalen Turnier teilzunehmen?
Das ist ein totaler Gamechanger. Da sind Kinder, die kennen nur die nächsten 20 Kilometer. So weit sie die Füße tragen, das ist ihr ganzer Horizont. Ein solcher Erfolg ist eine riesige Inspiration, auch für die nachfolgende Generation. Am Anfang sahen wir aus wie die Muppet Show. Der eine hatte nur einen Schuh an, die meisten barfuß, manche in Schuluniform, weil sie keine Sportklamotten hatten. Und Jahre später qualifizieren sich 80 Prozent dieser Truppe für eine Weltmeisterschaft.
Wie scoutet man auf einer Insel nach neuen Spielern?
Fidschi hat 330 Inseln. Ich hatte dann eine Stunde, um 300 Kinder anzuschauen. Die Fifa, die bei uns im Westen ja oft kritisch gesehen wird, hat das Programm „Fifa Football for School“ installiert. Gianni Infantino war bei uns. In allen Schulen wurde Fußball als Fach eingeführt, es gab Trainerschulungen, 4000 Bälle. Auch das Scouting wurde weiterentwickelt. Wir haben Chats mit allen Grundschullehrern eingeführt.
Viele dachten sich vor der WM: Was wollen die kleinen Nationen beim Turnier? Kap Verde und Curacao beispielsweise haben mehr als nur Achtungserfolge gefeiert.
Die sind extrem clever mit einem weltweiten Scouting. In Australien leben beispielsweise 300.000 Fidschianer. Curacao schaut nach Holland, Kap Verde nach Portugal. Da wird es in den nächsten Jahren noch große Überraschungen geben. Das geht jetzt erst los, das gibt einen unheimlichen Boost.
Zeichnet es die Arbeit bei kleinen Nationen aus, dass man kreativ werden muss?
Genau das, das unkonventionelle Denken, die Kreativität. Die haben alle extrem Hunger, arbeiten auf etwas hin. Ich habe das Gefühl, wir in Europa versuchen nur den Status quo zu halten und im Rest der Welt geht es richtig ab.
Sie haben die Spieler auf Fidschi auch barfuß spielen lassen, um die Technik zu verbessern.
Das fällt mir im ganzen deutschsprachigen Raum auf: Der Straßenfußball wird immer weniger. Die anderen Nationen haben alle Straßenfußballer und bringen da Struktur rein. Wir müssen uns fragen, wie wir den Straßenfußball wieder mehr in die Nachwuchsleistungszentren reinbekommen.
INTERVIEW: NICO-M. SCHMITZ