Muss Kimmich auf die Sechs?

von Redaktion

Mittelfeldzentrum um Pavlovic und Nmecha steht in der Kritik

Joshua Kimmich (li.) könnte für Stabilität im Mittelfeld sorgen. © Setterfield/AFP

East Rutherford – Es ist eine der leidigsten Diskussionen in der Karriere des Joshua Kimmich: Sollte der 31-Jährige als Rechtsverteidiger spielen oder auf der Doppelsechs? Normal wird diese Frage vor allem anhand dessen beantwortet, wo der jeweilige Trainer Kimmich stärker sieht. Thomas Tuchel bevorzugte ihn damals beim FC Bayern als Rechtsverteidiger, Vincent Kompany zog ihn wieder auf die Doppelsechs. Julian Nagelsmann lässt ihn beim DFB wiederum lieber in der Defensive auflaufen – und wird nun doch wieder mit der Gretchenfrage des deutschen Fußballs konfrontiert.

Denn: Nach der 1:2-Pleite gegen Ecuador steht das deutsche Mittelfeldzentrum in der Kritik. Felix Nmecha und vor allem Aleksandar Pavlovic konnten die Spielfeldmitte nicht kontrollieren und kamen mit der Physis des Gegners nicht zurecht. Außerdem spielte das Duo – vor allem Pavlovic – ungewöhnlich viele Fehlpässe im Spielaufbau, was zur Folge hatte, dass der Bayernstar bereits zur Halbzeit ausgewechselt wurde. Und schon im Spiel zuvor gegen die Elfenbeinküste erwischte Pavlovic keinen guten Tag und hatte ebenfalls Probleme mit den gegnerischen Sechsern.

Da die Kontrahenten mit Blick auf die K.o.-Phase nun nicht schwächer werden, nimmt die Diskussion um Kimmichs Positionierung wieder Fahrt auf. Nicht, weil er dort stärker wäre, sondern um die Schwächen anderer auszugleichen, könnte der Kapitän ins Zentrum rotieren: „Das ist einzig und allein die Entscheidung des Trainers“, erklärte Kimmich nach der Partie, als er auf die Option angesprochen wurde. „Da, wo er das Gefühl hat, dass ich am besten weiterhelfen kann, wird er mich aufstellen – und da spiele ich dann.“ Ein klares Dementi vermied er dabei – anders als Julian Nagelsmann, der weiter an seiner Doppelsechs festhalten will. Auf Nachfrage zu einer möglichen Doppelsechs aus Nmecha und Kimmich erklärte er: „Pavlovic soll dann auf die Bank, oder was? Ich finde, Aleks und Felix machen es gut. Ich kann nur wiederholen: Jo war top bei der EM als Verteidiger in allen Werten“, sagte der Bundestrainer auf der Pressekonferenz nach Abpfiff. „Ich will weder auf Felix noch auf Pavlo verzichten. Ich habe es nicht geplant.“

Im Sechzehntelfinale am Montagabend in Boston (22.30 Uhr, ZDF) dürfte der Kapitän daher wieder als Rechtsverteidiger auflaufen. Spätestens dann muss sich die Doppelsechs aus Pavlovic und Nmecha aber steigern, sonst werden die Rufe nach Kimmich im Zentrum noch lauter. Schließlich droht in einem möglichen Achtelfinale Frankreich als Gegner – gegen den man sich ein offenes Zentrum besser nicht leisten sollte.V. TSCHIRPKE, M. BONKE

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