Ernüchterung nach der Ecuador-Pleite: Die DFB-Elf hält u. a. auch körperlich nicht genug dagegen. © Charisius, Gambarini/dpa
Jamal Musiala (o.) läuft seiner Bestform weiter hinterher, Bundestrainer Julian Nagelsmann (re.) setzt dennoch weiter auf ihn. © Weller/dpa (2)
East Rutherford – Am Donnerstagabend, nach der 1:2-Niederlage gegen Ecuador, ging es wieder zurück aus dem Großraum New York ins Stammquartier nach North Carolina. Dort ist die Nationalmannschaft nur zwei volle Tage, denn am Sonntag macht sie sich schon auf nach Boston, wo am Montag (22.30 Uhr MESZ) das Sechzehntelfinale zu spielen ist. Wohin im Anschluss an das Spiel, das das letzte sein kann bei dieser WM? „Wir packen nicht zusammen in Winston-Salem“, sagt Bundestrainer Julian Nagelsmann. Im Plan steht: Auch nächste Woche, nach Boston, wieder Uni-Campus Winston-Salem, Vorbereitung aufs Achtelfinale am 4. Juli in Philadelphia.
Doch die Zuversicht, beim großen Turnier weit zu kommen, hat Schaden genommen. Das 7:1 gegen Curacao wurde durch die weitgehend zähe Partie gegen die Elfenbeinküste (2:1) schon relativiert, die schöne Deniz-Undav-Geschichte übertünchte die Mängel. Das abschließende Gruppenspiel zeigte auf: Es gibt ernsthafte Defizite. Sowohl gegen die Afrikaner als auch gegen die Südamerikaner ließ sich die deutsche Mannschaft beeindrucken von dem, was im modernen Fußballsprech als „Körperlichkeit“ bezeichnet wird. Die Gegner sind nicht langsamer, sie gehen entschlossen in die Zweikämpfe. Was kann man tun? „Die Spieler haben die Konstitution, die sie haben“, sagt Nagelsmann, „bis Montag können wir im Oberkörperbereich nicht auftrainieren.“ Man müsse andere Lösungen finden: „Durch das Halten von Positionen, durchs Kollektiv.“
Doch die deutsche Elf ist auch nicht in der Lage, sich einen Kontrahenten von der Güteklasse Elfenbeinküste/Ecuador einfach mal zurechtzulegen. Was ist mit dem Kreativduo Florian Wirtz/Jamal Musiala?
„Flo hat Gas gegeben, aber ihm fehlte die Fortune“, so der Bundestrainer. Er wechselte ihn aus. „Die Reaktion kommt am Montag, da bin ich mir ganz sicher.“ Allerdings hatte er schon für das Ecuador-Match angekündigt: „Flo wird ein Topspiel machen.“ Und wie ist es mit Musiala? „Da muss kein Knoten platzen, Jamal muss einfach in den Rhythmus kommen.“
Das 1:2 gegen Ecuador war aus deutscher Sicht für die Tabelle uninteressant. Doch der Bundestrainer ist es nicht so angegangen. Er hätte mit Blick aufs große Ganze anders aufstellen können. Er wollte die Stammbesetzung stärken – das misslang. Das Land hat nun eine neue Diskussion um die Nummer-eins-Berechtigung von Manuel Neuer und die (falsche?) Position von Joshua Kimmich. Auch mit den Korrekturen, die Nagelsmann anbrachte, lag er daneben. Auf einmal ging es nicht mehr darum, die Niederlage abzuwenden, sondern Spielzeiten zu verteilen. Hätte man unbedingt gewinnen müssen, ließ Nagelsmann anklingen, wäre er beim Einwechseln „mehr nach den Profilen gegangen“.
Am Montag muss er unbedingt siegen. Sonst wird er nicht nur an der Wake University in Winston-Salem exmatrikuliert.GÜNTER KLEIN