Dabei gewesen: Teile einer Fan-Reisegruppe vor dem MetLife Stadium.
Beste Stimmung im Bus – und dann ab ins Stadion zur deutschen Nationalmannschaft. © Mueller/Imago
New York – Als sie in der Hotellobby stehen und auf ihren Transfer zum Flughafen warten, noch eine letzte Nachbesprechung des Spiels. Ina aus Bochum findet, den Unterschied zwischen den Mannschaften aus Ecuador und Deutschland habe man auch an den Hymnen bemerkt. Die eine feurig, die andere steif – und so war auch der Fußball. Ihr Mann hätte sich von den deutschen Spielern mehr Bewusstsein gewünscht dafür, was die Fans mit einer Amerika-Reise auf sich nehmen. Eine 1:2-Niederlage kommt nicht gut an.
Deutsche Fans bei der WM – wer sind sie, was treibt sie an, wie empfinden sie die WM? Unsere Zeitung war knapp eine Woche Teil einer organisierten Gruppe des Veranstalters Panther Reisen, einem bewährten Anbieter, wenn jemand vor Ort nordamerikanischen Profisport erleben will (zur kommenden NFL-Saison stehen gleich vier Gruppenreisen an – nach Brasilien, eine Seattle-Seahawks-Tour, eine Packers-Germany-Tour und die Thanksgiving-Football-Tour – alle Informationen, auch zu anderen Reisen, unter: panther-reisen.de). Das Programm der rund 30 Leute starken Gruppe war: Flug nach Toronto, dort Deutschland – Elfenbeinküste, weiter mit dem Bus nach New York, in ein Hotel am Times Square gleich um die Ecke. Alle waren beim Ecuador-Spiel, ein paar bauten England – Ghana in Boston ein. Und man war im German House of Soccer.
Auf der Busfahrt von Kanada nach New York gehen die, die das wollen, nach vorne ans Mikrofon und stellen sich vor. Ein beliebtes Intro ist, dass man „aus der schönsten Stadt Deutschlands kommt“, auch wenn die Lösung Mülheim an der Ruhr ist. Den Verein nennt man gleich dazu. Die beiden „Hansa-Matrosen“ wollen zeigen, dass Rostocker Fans nicht überall in den Stadien die Waschbecken aus den Wänden reißen. Sie sind gesittet.
Einige waren schon bei mehreren Welt- und Europameisterschaften. Ein Ehepaar hatte geplant, die WM mit den Kindern im Wohnmobil zu machen. Aber schnell wäre man „bei 30.000, 35.000 Dollar gewesen – und Eintrittskarten waren da nicht dabei“. Vielleicht Großbritannien in zwei Jahren, diesmal wurde es die kürzere und sehr viel günstigere organisierte Reise für zwei.
Stammkunden des Reisebüros haben sich angemeldet, für andere war die Reise ein Zufallsfund im Internet oder auf den Sozialen Medien. Es gibt zwei Mittzwanziger und einen auf die 70 Zugehenden. Die stärkste Altersklasse ist die über 50, es sind oft Selbstständige aus handwerklichen Berufen. Im Bus sagt ein Mitreisender an: „Ich bin Bierkutscher – und eine Kneipe habe ich auch.“ Die erheiterte Aufmerksamkeit ist ihm sicher, die Gruppe findet sich schnell.
Doch schnell ist die Woche auch rum. Für die meisten war es das mit der WM 2026, andere ziehen mit eigenem Programm weiter. Mit guten Chancen, länger im Turnier zu bleiben als die DFB-Mannschaft. Ihre Trikots tragen fast alle noch, doch der Glaube ans gute Ende für die „Nagelsmänner“ ist gesunken. Egal, es trübt die Reise nicht. Und es gibt eh mehr als Fußball: Ina freut sich zu Hause auf die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Wattenscheid.GÜNTER KLEIN