TV-KRITIK

Aus dem Sattel beim Wildwest-Finale

von Redaktion

Jörg Heinrich

Dani, bist Du deppert? © Screen: ORF

Seit über zwei Wochen bänkelsingt der Schlagerbarde Wincent Weiss das WM-Lied des ZDF: „Ich will, dass diese Zeit noch kurz für immer bleibt.“ Als entkräfteter Fußballkonsument fragt man sich allerdings, ob man das wirklich für weitere drei Wochen möchte. Es kommt auf die Perspektive an: Wer Joshua Kimmich beim Rechtsverteidigen zuschauen muss, wünscht sich, dass es schnell zu Ende geht. Für den entzückten ORF-Kommentator Dani „Bist du deppert“ Warmuth kann der Gianni seine Sause dagegen gern bis 2027 verlängern. Für alle, die sich wünschen, dass diese Kolumne noch kurz für immer bleibt, ordnen wir die neuesten Ereignisse ein.

Optimismus im ZDF: Kult-Katrin Müller-Hohenstein brachte die aufgedunsene Ballspielveranstaltung auf den Punkt. Zur wilden Achterbahn-WM des DFB fiel ihr nach der Ecuador-Bruchlandung ein: „Wir ham schon ’nen Knall…“ Während Fachfrau Fritzy Kromp Nagelsmann-Kritik übte („Ich glaube, man hat sich verzockt“), bleibt Sonnenschein Chris Kramer der optimistischste Experte der Welt. Der DFB-Ultra freute sich über die kuriose Personalpolitik: „Was wir gesehen haben, kann wertvoll für den Turnierverlauf sein.“ Wenn’s in der 93. Minute gegen Frankreich 1:4 steht, glaubt Chrissy noch an vier Sané-Tore. Man muss den Kerl gernhaben für sein sonniges Gemüt.

Kurze Hosen bei Magenta: Beim Telekom-TV hauen 712 Experten jeden Tag mindestens so viele Sprüche raus. Da ist viel Schönes dabei. Dschungel-Autor Micky Beisenherz: „Paraguay ist ein drittklassiges Team, wir sind ein zweitklassiges Team. Also müssen wir die schlagen.“ Auch Kommentator Corny Küpper hat Algebra geübt: „Wir haben bis jetzt sechs Halbzeiten gespielt, und fünf davon waren einfach nicht gut.“ Mit 16,7 Prozent anständigen Halbzeiten wird man eher nicht Weltmeister. Viel zu wenig analysiert wird bisher das beige kurze Beinkleid von Matsischatzi Hummels, das die bei uns wohnhafte Modeexpertin Frau Heinrich zu 105 Prozent bestürzend findet. Ihre zentrale Frage: „Warum?“ Und: „Wieso die akkuraten weißen Socken? Sind das noch die Kompressionsstrümpfe aus dem Flugzeug?“ Wer sich James Bond beim Beachvolleyball vorstellen will, liegt bei Magenta-Mats genau richtig.

Der ORF und die Les Humphries Singers: „Hey Ho Yippeeiayay! He shot up Kansas City on a very fine day“, hieß es 1974 im Les-Humphries-Banger „Kansas City“. Das hat an gleicher Stelle jetzt auch Österreichs neuer Nationalheld Sasa Kalajdzic geschafft, beim wundersamen Very-Last-Minute-3:3 gegen Algerien. ORF-Kommentator Daniel „Dani“ Warmuth ging beim Wildwest-Finale komplett aus dem Sattel. Erst die Führung der Algerier: „Der Albtraum wird zur Realität!“ Dann das Wunder mit Bussi-Bussi-Sasa: „Bist du deppert! Da steht der Kalajdzic richtig, dieser Fuchs! Aus! Ich kann nicht mehr!“ Damit war der Aufstieg (so heißt das bei Rot-Weiß-Rot) ins Sechzehntelfinale fix. Und Dani Warmuth war der weltglücklichste Österreicher, seit Mozart 1791 mit der „Zauberflöte“ den Aufstieg in die Komponisten-Champions-League fixiert hat. So ein Moment – der darf gern noch kurz für immer bleiben.

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