Kimmich als Problemlöser

von Redaktion

Taktik-Experte über die Baustellen der DFB-Auswahl vor Paraguay

Nagelsmann mit Kimmich. © Weller/dpa

Taktik-Experte Sebastian Friedl. © IFI

Zu langsam? Joshua Kimmich in Aktion. © Samad/AFP

Boston – So schnell kann die Stimmung kippen. Nach einem Super-Start in die WM mit Siegen gegen Curacao (7:1) und die Elfenbeinküste (2:1) schrillen in Deutschland vor dem Sechzehntelfinale gegen Paraguay (22.30 Uhr, ZDF und MagentaTV) plötzlich wieder die Alarmglocken. Der Grund: die schwache Leistung beim 1:2 im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador.

„Einige deutsche Spieler haben nicht ihre Leistung abgerufen“, sagt Sebastian Friedl, Leiter Spiel- und Taktikanalyse am Internationalen Fußball Institut (IFI), und nennt konkrete Namen: „Jonathan Tah und auch Manuel Neuer hatten einige ungewohnte Unachtsamkeiten im Stellungsspiel und sehen beim spielentscheidenden Eckball zum 1:2 nicht gut aus. Kai Havertz und Jamal Musiala waren bemüht, aber letztlich ohne die richtig torgefährlichen Aktionen.“

Als Positivbeispiele nennt der Experte überraschenderweise zwei Stars, deren Leistung gegen Ecuador medial kritisiert wurde. „Hervorzuheben sind der starke Leroy Sané, der in beide Richtungen sehr fleißig agierte, und Florian Wirtz, der viele enge Situationen mit der richtigen Lösung gemeistert hat“, meint Friedl. „Grundsätzlich ist die gesamte Mannschaft mehr gefordert, die Spielaufbausituationen bei offenem Spielfluss mit früheren Tiefenläufen der Offensivspieler zu kombinieren, um hinter die gegnerische Abwehrkette und zu Torchancen zu kommen“, erklärt er weiter und veranschaulicht seinen Vorschlag mit der beigefügten Grafik.

Sorgen macht Friedl vor allem das Mittelfeldzentrum der DFB-Auswahl. „Das deutsche Team hat große Probleme, wenn der Gegner ein zweikampfstarkes und aggressives Mittelfeld aufbietet, so wie es Ecuador oder die Elfenbeinküste taten. Es mussten viele Zweikämpfe geführt werden, was Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha nicht sonderlich liegt. Viele Bälle gingen an den Gegner“, analysiert der Fachmann.

Friedls Idee: „Eine Überlegung könnte daher sein, Joshua Kimmich neben Pavlovic im Zentrum starten zu lassen. Dies wäre das Mittelfeld, das das Halbfinale der UEFA Champions League gespielt hat.“ In der Folge müsste Trainer Julian Nagelsmann weiter umbauen – aber das wäre für Friedl kein Problem: Statt Kimmich könnte Linksverteidiger Nathaniel Brown rechts hinten verteidigen. David Raum würde dann die Position des künftigen Bayern-Profis einnehmen. Mit Nmecha hätte man dann einen offensiv ausgerichteten Mittelfeldspieler, der bei Bedarf von der Bank kommen könnte.

„Kimmich könnte im Zentrum mit seiner Mentalität wesentlich mehr Einfluss auf das Spiel und die Mitspieler nehmen als auf der rechten Abwehrposition. Das würde der Mannschaft sicherlich guttun“, so Friedl.PHILIPP KESSLER

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