Ösi-Wahnsinn! Einmal Hölle und zurück

von Redaktion

Kalajdzic rettet 3:3 gegen Algerien in letzter Sekunde

Nicht zu fassen: Rangnick fix und alle. © Mabromata/AFP

Sechzehntelfinale, wir kommen! Die Österreicher beim obligatorischen Kabinenfoto. © Insta

Kansas City – Als Ralf Rangnick nach Mitternacht in hohem Tempo auf einem Golfcart durch die Mixed-Zone gefahren wurde, konnte er das zuvor Erlebte immer noch nicht fassen. Nach einer der verrücktesten Schlussphasen in der österreichischen Fußballgeschichte steht das Team Austria bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko doch noch im Sechzehntelfinale und fordert dort am Donnerstag Europameister Spanien. „Einmal Hölle und zurück“, titelte die „Kronen-Zeitung“ nach dem WM-Wahnsinn von Kansas City.

Vor der Partie gegen Algerien war viel über die Ausgangslage diskutiert worden, da beiden Teams ein Remis zum Weiterkommen reichte. Doch die Art und Weise, wie es mit der allerletzten Aktion im 72. und abschließenden Spiel der Gruppenphase zum 3:3 kam, hatte niemand vorhergesehen. In der dritten Minute der Nachspielzeit brachte Riyad Mahrez Algerien aus dem Nichts mit 3:2 in Führung und stürzte Österreich damit ins Tal der Tränen. Drei Minuten später köpfte der direkt nach dem Rückstand eingewechselte Sasa Kalajdzic das 3:3 und Österreich zurück in den Fußball-Himmel.

„Ich habe im Moment keine Worte, sage ich ganz ehrlich. Ich glaube, so etwas habe ich so noch nie erlebt“, sagte Rangnick. „3:2 hinten, die Spielzeit ist eigentlich um. Wir kommen tatsächlich noch mal ins Spiel zurück. Wir sind im Moment einfach nur happy“, sagte Österreichs deutscher Trainer sichtlich gezeichnet.

Nach dem Ausgleichstreffer stürzte sich gefühlt ganz Österreich auf Kalajdzic. „Der Jubel hat 15 Meter im Feld begonnen und am Ende war ich fast aus dem Stadion, so sehr wurde ich geschubst und gedrückt“, sagte der Angreifer. Als der Schiedsrichter nach dem Auflösen der österreichischen Jubel-Traube die irre Partie im Stadion der Kansas City Chiefs abpfiff, ließen sich die meisten österreichischen Spieler einfach auf den Rasen fallen. „Ich bin fix und fertig“, sagte Dortmunds Marcel Sabitzer.

Nun wartet Titelkandidat Spanien auf den Gruppenzweiten Österreich, Algerien als Dritter trifft auf die Schweiz und damit auf den vermeintlich leichteren Gegner. Es passte zu diesem wahnwitzigen Fußball-Abend, dass Algerien, eigentlich der gefühlte Verlierer nach dem Last-Minute-Ausgleich, am Ende als gefühlter Gewinner aus der unvergesslichen Nacht von Kansas City hervorging.

Vor 69.045 Zuschauern trafen Marko Arnautovic (28. Minute), Sabitzer (55.) und Kalajdzic (90.+6) für Österreich, Rafik Belghali (45.) und Riyad Mahrez (60./90.+3) für Algerien. Vor dem Spiel hatten viele auf ein Unentschieden spekuliert. Vor allem in Algerien war viel von der „Schande von Gijón“ die Rede. Bei der WM 1982 hatten sich Deutschland und Österreich nach der frühen deutschen Führung quasi auf eine Verwaltung des Ergebnisses geeinigt. Leidtragende waren damals die Algerier, die ausschieden. 44 Jahre später konnte von einer „Schande von Kansas“ nicht die Rede sein.

Artikel 1 von 11