Boston – Ich war überrascht, dass wir solche Probleme im Gruppenspiel gegen Ecuador hatten. Klar, Ecuadors Auftreten, die Aggressivität und das Annehmen von Zweikämpfen waren wirklich beeindruckend. Aber wenn man gegen südamerikanische Teams spielt, muss man damit rechnen. Es reicht nicht, rein theoretisch die besseren Spieler zu haben.
Ja, wir standen schon als Gruppenerster fest und für Ecuador ging es im Gegensatz dazu noch um alles. Ein Sieg wäre allerdings für uns wichtig gewesen, um in der Euphorie zu bleiben. In Deutschland sind wir alle sehr kritisch. Oftmals auch zu kritisch. Vergangene Woche haben wir nach dem späten Sieg gegen die Elfenbeinküste darüber gesprochen, welch tolle Mentalität wir haben. Jetzt heißt es plötzlich: Eigentlich war das 2:1 auch glücklich. Ich würde jetzt allerdings nicht komplett schwarzmalen. Trotzdem muss die Niederlage gegen Ecuador richtig eingestuft werden: Es muss in die Köpfe rein, dass 95 Prozent nicht reichen.
Das 1:2 gegen Ecuador wird uns wachrütteln. Wir müssen das in positive Energie ummünzen. Ich schätze die deutsche Mannschaft stark genug ein, das Sechzehntelfinale zu überstehen. Paraguay kann kommen, das wird nicht gefährlich für uns.
Kommen wir noch kurz zu einem anderen Aufreger bei dieser Weltmeisterschaft: die Trinkpausen. Die finde ich völlig daneben. Es sind zu viele Unterbrechungen. Mich nerven sie schon vor dem Fernseher. Ich will gar nicht wissen, wie das die Menschen im Stadion empfinden. Ich bin der Meinung, der Schiedsrichter hat ein gutes Gefühl dafür, wann Trinkpausen notwendig sind. Dass es diese Pausen auch bei 20 Grad gibt, ist ein Wahnsinn. Man sollte nicht zwingend darauf bestehen. Das gibt mir und vielen anderen Beobachtern das Gefühl, dass solche Trinkpausen nur Werbepausen sind.
Es stehen doch wirklich genügend Flaschen am Spielfeldrand. Wenn man möchte, kann man also als Spieler auch so schon trinken gehen. Und bei Ecken kann ich auch mal den gegnerischen Torhüter darum bitten, einen Schluck aus seiner Flasche zu nehmen.
Diese obligatorischen Trinkpausen dagegen brechen den Spielrhythmus. Wenn du gerade den Gegner dominierst, darf diese Dominanz nicht dadurch unterbrochen werden.
Ich bin ganz klar gegen verpflichtende Trinkpausen. Sonst haben wir ja bald vier Viertel wie bei Basketballspielen. Fußball ist und bleibt bei mir aber etwas anderes: 90 Minuten mit genau einer Halbzeit.