3:2 nach 0:2: Im Oktober siegte Japan. © Hoshiko/dpa
Carlo Ancelotti und sein Star Vinicius Junior. © Pimentel/AFP
Houston – Wer es kitschig amerikanisch mag, der muss nur raus in die Somerset Hills von New Jersey fahren. Typische Einfamilienhäuser im Kolonialstil ohne Zäune säumen breite Straßen, in vielen der gepflegten Gärten ist das Sternenbanner gehisst. Brasiliens Fußballer residieren hier in Basking Ridge. Auf Plakaten und Leuchtwänden steht: Es ist verboten, klein zu träumen. Zusammen mit dem Slogan „Bate no peito“ (Schlag dir auf die Brust) ist damit der Ton vor dem Sechzehntelfinale gegen Japan (Montag 19 Uhr MESZ/ZDF und MagentaTV) gesetzt.
„Ich bin nicht hier, um individuelle Auszeichnungen zu gewinnen. Ich bin hier, um Weltmeister zu werden“, sagte Vinicius Junior, der sich unter Nationaltrainer Carlo Ancelotti vom Einzelgänger und Selbstdarsteller zum Leader entwickelt hat. Vier Tore, darunter sein Doppelpack beim 3:0 gegen Schottland, schoss der 25-Jährige in den ersten drei Spielen und ist damit endlich aus dem Schatten Neymars hervorgetreten.
Erstmals nach den Ikonen Ronaldo und Rivaldo beim bislang letzten Titelgewinn 2002 traf ein Brasilianer in allen drei Gruppenspielen. Doch jetzt beginne die WM erst richtig, stellte Vinicius klar: „Wir müssen bereit sein, große Spiele zu machen – um Brasilien wieder an die Spitze zu bringen.“
Als Mitspieler Rayan, ein 19-jähriger Senkrechtstarter, gefragt wurde, ob er einen Spieler des Gegners kenne, antwortete er ehrlich: „Nein!“ Als das Gelächter nicht aufhörte, schob er noch nach, dass Ancelotti ja noch ein Video zeigen würde. Dann sollte er erfahren, dass Brasilien im Herbst 2025 ein Freundschaftsspiel gegen beseelte Japaner trotz eines 2:0-Vorsprungs noch mit 2:3 verlor. Aber von jener Lehrstunde aus Tokio hat Ancelotti lediglich noch acht Akteure im Kader.FH