Die Vorrunde der Fußball-WM liegt hinter uns, und neben den Auftritten der noch sehr fitten alten Herren waren die großen Geschichten: wie die Kapverden sich gefreut haben, die Südafrikaner, die Bosnier, die Mannschaft der Demokratischen Republik Kongo! Bei manchen genügte – das Modell Curacao – für die Ekstase auch ein einziger Punkt oder ein einziges Tor. Die Türken haben gejubelt wie die Weltmeister, obwohl sie nach Hause fahren müssen, aber es tat ihrer Seele gut, wie sie die Amerikaner geschlagen haben. So viele positive Vibes verbreitete das XXL-Turnier, dass man über eine Vielzahl mediokrer Spiele mit Tschechien, Tunesien, Saudi-Arabien, Katar oder die Überforderung von Jordanien und Usbekistan hinwegsehen konnte.
Diese erste Phase der WM dauerte zu lange, vieles war vergessen, bevor man es sich hatte merken können – und dennoch ist der Plan der Fifa aufgegangen: Es fanden sich genügend Interessenten mit ausreichend gefüllter Geldbörse oder zu Unvernunft treibendem Pathos, um die Stadien zu füllen, das Wachstum ist auf allen Feldern messbar. Aus sportlichen Gesichtspunkten sollte eine WM mit 32 Mannschaften zwar wieder zum Standard werden – aber keine Chance. Man muss eher davon ausgehen, dass ein vom Erfolg berauschter Präsident Gianni Infantino auf die nächste Steigerung drängen wird: Noch ein X vor die Veranstaltung, die WM als Triple-X-Event: mit 64 Teams.
64 hätte gegenüber den 48 einen wesentlichen Vorteil: Es wäre keine „schiefe“ Zahl. Die 48 war der Fifa immer schwer im Magen gelegen. Zunächst hatte sie 16 Dreier-Gruppen bilden wollen, dabei aber übersehen, dass es keine parallel auszutragenden letzten Vorrundenspiele geben könnte und der Trickserei Tür und Tor geöffnet wären wie noch 1982. Damals konnten sich Österreich und Deutschland nach dem bekannten Ergebnis der konkurrierenden Algerier richten und diese zu ihrem gegenseitigen Nutzen aus dem Turnier befördern. Auch die Umstellung auf zwölf Vierergruppen ließ Raum für Ungenauigkeiten: Acht von zwölf Dritten kamen weiter. Bei 64 Teams könnte man viel leichter 32 ermitteln, die dann die richtige WM spielen.
Widerstand zwecklos. Für noch mehr kleinere Nationen wird ein Kapverde-Märchen greifbar, der Wohltäter Gianni Infantino sichert sich Stimmen aus aller Welt, und die großen Verbände werden erst gar nicht reklamieren und sich wegducken. Der Fußball wird einfach den nächsten Wahnsinn austesten. Und wahrscheinlich wird auch das gut gehen.