Nick Woltemade sah man trotz großen Trainingsengagements bei der WM bisher nur im Aufwärmshirt. © Gambarini/dpa
Boston – Es ist noch nicht lange her, da war Nick Woltemade der Shootingstar im deutschen Nationalteam: Im Oktober und November vergangenen Jahres traf der Stürmer gegen Nordirland, Luxemburg (Doppelpack) und die Slowakei dreimal in Folge und schoss die DFB-Elf fast im Alleingang zur WM.
Damals galt es fast als sicher, dass Woltemade ein halbes Jahr später als Stürmer Nummer eins zur WM fahren würde und dort regelrecht explodieren könnte. Seitdem ist aber das genaue Gegenteil eingetreten: Vor dem Sechzehntelfinale gegen Paraguay (nach Drucklegung dieser Ausgabe) war Woltemade einer von nur vier Spielern (ansonsten noch die Torhüter Oliver Baumann und Alexander Nübel sowie der nachnominierte Assan Ouedraogo), die auf keine einzige WM-Minute kommen.
Woran liegt das? Zunächst einmal gibt es zwei einfache Antworten: Kai Havertz und Deniz Undav. Havertz war während der WM-Qualifikation verletzt. Seit er zum Lehrgang im März beim DFB zurückgekehrt ist, gilt er als gesetzt. Undav schoss sich dagegen gerade zum Ende der Saison in WM-Form und kam mit mächtig Rückenwind ins Turnier – während Woltemade bei Newcastle United zwischenzeitlich eine monatelange Durststrecke ohne Torerfolg erlebte.
Trotzdem betonte Julian Nagelsmann noch vor der WM, auf Woltemade zu vertrauen. „Wir kriegen ihn als Team definitiv hin. Nick soll sich keinen ‚Kopp‘ machen“, erklärte der Bundestrainer zu seiner Kadernominierung. Darauf vertraute auch der Stürmer, der eine ähnliche Zusage im Rollengespräch mit Nagelsmann erhalten hatte – und nun selbst nicht weiß, ob und wie er sich aus seiner Situation befreien kann.
Aufgeben im Kampf um WM-Spielzeit will Woltemade aber nicht: „Ich arbeite hart für meine Chance“, erklärte Woltemade zuletzt im Interview mit dem RND. Dabei will sich der 24-Jährige nicht von Frust über seinen Bankplatz leiten lassen, sondern sich mit positiven Trainingsleistungen für mehr Spielzeit empfehlen. Wie schnell es auf und ab gehen kann, weiß er schließlich aus seiner letzten Saison. „Das bringt mich nicht aus der Ruhe, ich kann damit umgehen. Insgesamt war das letzte Jahr verrückt für mich, es hat mein Leben verändert“, sagte Woltemade über seinen Wechsel nach Newcastle und die anschließende Torflaute.VINZENT TSCHIRPKE, MANUEL BONKE