„Ich habe mir den Titel erboxt“

von Redaktion

Schwergewichts-Weltmeister Agit Kabayel schreibt kampflos Geschichte

Am Ziel seiner Träume: Agit Kabayel. © Müller/Imago

94 Jahre nach Max Schmeling kommt ein Schwergewichtsweltmeister wieder aus Deutschland: Der Bochumer Boxer Agit Kabayel hat kampflos Geschichte geschrieben – weil der ukrainische Champion Alexander Usyk seine Gürtel niederlegte. Das Interview mit dem neuen WBC-Weltmeister.

Wie fühlt es sich an, der erste deutsche Schwergewichtsweltmeister seit Max Schmeling zu sein?

Unglaublich! Ehrlich gesagt, kann ich das noch gar nicht wirklich realisieren. Ich habe jahrelang auf dieses Ziel hingearbeitet. Wahrscheinlich muss ich das erst mal sacken lassen, damit ich das begreifen kann. Das ist historisch. Jetzt neben Namen wie Schmeling, Tyson und Ali in den Geschichtsbüchern zu stehen, ist etwas ganz Besonderes.

Wie haben Sie‘s erfahren?

Wir waren ja lange in der Übergangsphase bezüglich eines Titelkampfes mit Usyk. Dann kam das Feedback, dass er nicht kämpfen wollte. Damit ich entspannen kann, habe ich mir gesagt: ‚Komm, jetzt fliege ich mal in den Urlaub.‘ Und plötzlich kam der Anruf, dass die WBC mich zum vollwertigen Weltmeister hochstuft, da ich vorher alle meine Hausaufgaben erledigt hatte. Das war natürlich eine schöne Überraschung!

Wie haben Sie nach der Bekanntgabe gefeiert?

Zuallererst habe ich meinen Trainer angerufen, denn ihm gehört der Titel genauso wie mir. Als ich 16 Jahre alt war, hat er mich entdeckt. Damals war mir klar: Er wird mein erster und auch letzter Trainer sein. Ich habe diesem Trainer alles zu verdanken. Das größte Feierbiest bin ich nicht. Ich hatte danach einfach einen schönen Abend mit Freunden

Hätten Sie sich den Titel nicht lieber erboxt?

Moment. Ich habe mich im Ranking nach oben gearbeitet, weil ich Makhmudov, Sanchez und Zhang ausgeknockt. So wurde ich Interimsweltmeister. Und wenn der Weltmeister mich dann nicht kämpfen will, werde ich hochgestuft. Somit habe ich mir den Titel erboxt. Natürlich wäre ich gerne gegen Usyk angetreten. Auch deshalb, weil er eine Legende des Boxsports ist und ich auch fest daran geglaubt habe, ihn als Erster schlagen zu können. Usyk wollte den Kampf nicht, daher nehme ich den Titel auch so.

Glauben Sie, Usyk hatte Angst?

Nein. Usyk hat keine Angst. Aber er möchte zum Abschluss noch einen anderen Kampf machen und einen einfacheren letzten Arbeitstag haben. Deshalb war es ihm lieber, den Gürtel vorher abzugeben. Das ist auch völlig in Ordnung. Er ist eine Legende des Sports und muss niemandem mehr etwas beweisen.

INTERVIEW: PHILIPP KESSLER

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