Überflieger: Messi im Spiel gegen Jordanien. © Ellis/AFP
Wer regelmäßig bei der WM ist, freut sich, alle vier Jahre vertraute Köpfe zu treffen: im Medientross, unter den Fifa-Bediensteten, bei den Trainern (oft mit wechselnden Nationen) – aber dass ein Spieler zum Inventar des hochheiligen Turniers gehört, dass er wie selbstverständlich immer da ist, das ist wahrhaft außergewöhnlich. Beleuchten wir doch mal die 20 Jahre mit ihm.
Messis Turniere also im Schnelldurchlauf: 2006 trug er noch die 19, weil die 10 Juan Riquelme gehörte. Sein heutiger Nationaltrainer Lionel Scaloni war sein Mitspieler. Messi war aber noch so klein, dass Trainer Jose Pekerman ihn im Viertelfinale gegen Deutschland nicht spielen ließ. Klar, dass man verlor. Daraus resultierte sogar eine Verschwörungstheorie: Der Gastgeber musste weiterkommen, Messi durfte ihn nicht aufhalten.
2010 richtete sich die ganze Aufmerksamkeit auf die andere frühere 10, auf Diego Maradona, der sich als Trainer versuchte. Aus im Viertelfinale gegen Deutschland (0:4). Arne Friedrich schoss ein Tor (sein erstes im 77. Länderspiel), Messi keines.
2014 im Finale von Rio de Janeiro von Bastian Schweinsteiger niedergekämpft. Und Deutschlands Siegtorschütze Mario Götze wird von seinem Coach Joachim Löw heißgemacht mit dem Satz „Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi“. Man sagt, Messi sei vorwiegend Barcelona-Spieler und im Dienste seines Landes gehemmt. Körperlich würde es ohnehin dahingehen: Gnadenlos werden im modernen Fußball Laufdaten ermittelt. Es kommt heraus: Messi steht viel, manche Torhüter kommen seiner Laufstrecke (7 bis 8 Kilometer pro 90 Minuten) nahe.
2018 in Russland ist wieder Diego Maradona mit seinen Ausrastern auf der VIP-Tribüne Argentiniens Blickfang. Messis Aus im Achtelfinale scheint zu bestätigen: Er und sein Land, das wird nichts mehr.
2022 ist die WM nicht am Ende der Saison, sondern mittendrin, und Messi wirkt nicht so ausgelaugt wie sonst. Aus der Nationalmannschaft war er bereits zurückgetreten – vom Rücktritt dann allerdings auch. Er hat noch einmal Lust und vollendet sein Werk – und am Ende hängt der Bischt des Katars von Emir um seine Schultern. Kurz nach der WM überwirft er sich mit Paris Saint-Germain – jetzt kommt aber wirklich nichts mehr, oder?
Und 2026: Egal, dass er nur noch in der US-Liga spielt, die WM ist seine Bühne. Er spielt spektakulärer denn je. Und wieder eine Verschwörungstheorie: Im ersten Spiel wurde ein rotwürdiges Foul von ihm übersehen – Anweisung von ganz oben. Messi soll noch einmal den Ballon d‘Or gewinnen.
Er würde ihn verdienen.GÜNTER KLEIN