KOMMENTAR

Sorry, was ist ein Sechzehntelfinale?

von Redaktion

„Round of 32“ bei der WM

Ein grottiges Spiel war es, das erste Sechzehntelfinale. „Südafrika – Kanada ist das beste Sechzehntelfinale, das ich je bei einer WM gesehen habe“, schrieb ein Scherzkeks im Internet. Wie passen die beiden gegensätzlich wirkenden Empfindungen zusammen? Nun, eine solche Runde hat es bei der Weltmeisterschaft noch nie gegeben. Es wurden Zwischenrunden, Viertelfinals, später Achtelfinals ausgetragen – aber sorry, was soll ein Sechzehntelfinale sein?

Der Begriff Sechzehntelfinale erklärt sich daraus, dass am Ende der sechzehn Spiele sechzehn Teilnehmer am Achtelfinale ermittelt sein werden. Aber kann man den Begriff Finale mit seiner ultimativen Aussagekraft einfach so kleinteilen? Das Sechzehntelfinale ist bei der WM die vierte von acht Runden – und vom Endspiel weiter entfernt als vom ersten Spiel in der Vorrundengruppe. Wenn man das Teilungsprinzip auf die Spitze treibt, können die sechzehn (!) bereits ausgeschiedenen unter den 48 Teams von sich behaupten: Immerhin waren wir im Vierundzwanzigstelfinale.

Den nordamerikanischen Medien braucht man mit Sechzehntelfinale nicht zu kommen, sie nennen es „Round of 32“. Das klingt undramatisch, und wahrscheinlich nimmt man das hier recht entspannt, weil Playoffs in allen Sportarten erst losgehen, wenn noch sechzehn Clubs übrig sind. Das Wort Achtelfinale benutzt man aber nicht, angesagt ist „Playoffs first round“.

Möglich, dass Gianni Infantino mit seiner Lauter-Super-Bowl-Argumentation nicht durchdringt. Er muss kreativer sein. Etwa so: „Wir sind in den Playoffs. Jedes Best of Seven ist komprimiert auf ein Spiel, das ist die größte Dramatik in der Geschichte des Sports. Viel schneller als die NFL.“ Von Play-ins, Pre-Playoffs oder einer Playoff-Qualifikation wird der Fifa-Präsident nie sprechen, das wäre schlecht fürs Geschäft. Wir Medien jedoch leisten uns Unvoreingenommenheit und finden: Ein Sechzehntelfinale könnte man „Vorrunde plus“ nennen.

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