Wimbledon im Williams-Fieber

von Redaktion

Große Rückkehr nach vier Jahren – Deutsche feiern Auftaktsiege – Sinner wackelt

Souverän weiter: Tatjana Maria.

Ein Bild aus einer anderen Zeit: Venus und Serena (re.) 1998 bei den Australian Open. © Hesse/dpa

Serena Williams (li.) kehrt vier Jahre nach ihrem Rücktritt auf die Grand-Slam-Einzelbühne zurück, mit Schwester Venus (re.) spielt sie zudem Doppel. © van den Berg/Imago

London – An der Church Road herrscht akutes „Serena-Fieber“, die Sportwelt blickt gespannt auf den All England Club – doch ausgerechnet die Königin hegt Zweifel. Warum sie erst auf den letzten Drücker ihre Zusage für die Wildcard im Einzel von Wimbledon gegeben habe? „Bis dahin war ich mir einfach nicht sicher“, sagte Serena Williams lächelnd: „Um ehrlich zu sein, bin ich mir immer noch nicht sicher.“

Vier Jahre nach ihrem letzten Auftritt auf dem ehrwürdigen Rasen ist der Superstar zurück in „SW19“. Am Dienstag nimmt die zweifache Mutter im Duell mit der Australierin Maya Joint ihre Grand-Slam-Karriere wieder auf. Doch schon vor dem ersten Ballwechsel auf dem Centre Court elektrisiert die Ausnahmeerscheinung die Massen. Schließlich stellen sich alle – inklusive der Protagonistin – die Frage: Kann Williams nach dieser langen Pause wirklich die Zeit zurückdrehen?

Williams selbst scheint ihre sportliche Rolle zu kennen, der Griff nach dem achten Triumph beim Klassiker wirkt unerreichbar. Motiviert ist sie dennoch, vor allem, weil sie im Alter von 44 Jahren doch noch vor ihren beiden Töchtern Alexis Olympia und Adira River Ohanian spielen kann. „Ich glaube, dass meine Erwartungen insgesamt zum ersten Mal in meiner Karriere anders sind“, sagte Williams, die auch im Doppel an der Seite ihrer Schwester Venus antritt. Sie habe das Gefühl, „dass ich es genießen werde, da draußen zu sein“.

In den Augen zahlreicher Stars der Szene hat Williams schon jetzt gewonnen. „Ich habe ihr gesagt, dass das, was sie tut, für mich persönlich, und sicherlich auch für Millionen Menschen auf der ganzen Welt, wirklich inspirierend ist“, schwärmte der 24-malige Major-Champion Novak Djokovic, „egal was passiert.“ Und auch die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka ist „super aufgeregt, sie spielen zu sehen. Es ist unglaublich, was sie macht.“

Doch die Vorfreude auf die Fortsetzung der Williams-Show wird nicht überall geteilt. „Warum muss sie zurückkommen und nochmal spielen?“, fragte sich Michael Stich bei Prime Video: „Ich kriege es nicht in meinen Kopf hinein.“

Für Ex-Bundestrainerin Barbara Rittner ist das gesteigerte Interesse unabhängig vom sportlichen Ausgang ein wichtiges Zeichen für das Frauentennis. „Und wenn es nur für ein Match ist, ist es gut“, sagte Rittner: „Es ist ein Riesenhingucker.“ Sie hoffe nur nicht, „dass hinterher alle fragen: Warum hat sie sich das angetan?“

Menschen würden dafür „leben, Athleten zu sein. Ich habe diese großartige Gelegenheit, zu zeigen, was ich mache – das, was ich am besten kann, nehme ich an“, sagte Williams: „Wer weiß, ob ich es jemals wieder hierher schaffe. Das könnte die letzte Chance sein.“

Ihren Auftakt bereits erfolgreich hinter sich gebracht hat Tatjana Maria. Die 38-Jährige aus Bad Saulgau setzte sich mit 6:4, 6:4 gegen die Kasachin Julia Putinzewa durch. Erstmals seit ihrem sensationellen Halbfinaleinzug beim Rasenklassiker vor vier Jahren zog die Deutsche damit wieder in die zweite Runde ein. Dort trifft sie auf die amerikanische Weltranglisten-16. Iva Jovic.

Bei den Herren hätte Wimbledon um ein Haar seine erste große Sensation erlebt. Der Weltranglistenerste Jannik Sinner setzte sich am Auftakttag mit 4:6, 6:3, 6:7 (6:8), 6:2, 6:3 gegen den Serben Miomir Kecmanovic durch. Dabei präsentierte er sich ein gutes Stück entfernt von seiner Bestform.

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