Kramer & Streich: „Suchst Du‘n Job?“ © Screenshot: ZDF
Wir sind doch nicht blöd! Deutschland hat keine Lust, sich im WM-Achtelfinale von Frankreich vermöbeln zu lassen – und fährt vorsichtshalber vorher schon heim. Beim Zweitages-Drama gegen Paraguay von Montagabend bis Dienstagfrüh haben ZDF und Magenta ihre maximale Trauer-Power gezeigt. Es war das längste Elend im deutschen Fernsehen seit Wal Timmy. „Das ist die schlimmste Situation der Welt“, verzweifelte Jürgen Klopp, der nicht Bundeskloppo werden will – noch. Und so fruschtriert hat man Christian Streich noch nie erlebt. Wir fassen den Nagelsmann-Nekrolog zusammen.
Schmerzen bei Oliver Schmidt: „Paraguay kann wehtun“, ahnte der ZDF-Kommentator schon vor dem Spiel. Und tatsächlich: Die Südamerikaner erwiesen sich als der Zahnarzt unter den WM-Gegnern, ohne Narkose. Der Unker aus Mainz, der Cassandro vom Lerchenberg, spürte schon in Minute 25, dass es massiv kloppt beim DFB: „Ein Spiel, bei dem es womöglich auch um die Zukunft des Bundestrainers geht. Wenn’s denn schiefgeht…“. Und wie es schiefging, heidewitzka! Im Laufe der vielen Stunden erlebte man einen Menschen im Verfall: „Das war Flanke 41, wir hoffen auf Flanke 42.“ Am Ende, als Schlafwagen-Johnny Tah den Hoeneß machte und drübersenste, fasste der sehr gute Olli die Probleme des deutschen Fußballs so zusammen: „Probleme überall.“
Der ZDF-Krisenstab: „Ich kann sagen, die Runde ist bedient“, fazitierte Katrin Müller-Hohenstein. Sie erkundigte sich flugs bei Experte Streich nach seinen Ambitionen – schließlich lief’s mit einem Schwarzwald-Bundestrainer zeitweise ganz gut. „Suchst du noch ’n Job, Christian?“ Da gab es viel Applaus bei den schon leicht komatösen Fans in der Berliner WM-Arena. Chris Kramer, Per Mertesacker und Fritzy Kromp mussten jetzt aus ihrem Nagelsmann-Überdruss kein Geheimnis mehr machen. Die schlaue Fritzy sprach Klartext, auch in Sachen Woltemade, der kein Vertrauen vom Bundestrainer hatte und nun liefern sollte: „Ich finde, man hat ihn heute gefühlt gekillt. So was macht mich sprachlos.“ Mertesacker über den erneut pampigen Nagelsmann: „Das zeigt, dass wir verdient ausgeschieden sind.“
Die Leiden des jungen Fuss: Auch Olli Schmidts Magenta-Kollege Wolff Fuss alterte zwischen Montag und Dienstag zusehends und zuhörends. Wer auf einer Beerdigung zumindest gut unterhalten werden will, sollte ihn als Trauerredner anheuern. Beim Kurzzeit-2:1 jubelte er: „Schwere Geburt – aber Geburt!“ Und dann war’s doch eine Fehlgeburt im Kreischsaal von Boschton, wie Streich sagen würde. Die letzten bitteren Worte des Fuss: „Ohne Worte. Unvorstellbar. Es war einmal eine Elfmeternation.“
Um Hummels Willen: Während Jürgen Klopp um seinen gemütlichen Red-Bull-Job bangte, erwies sich Mats Hummels wieder als Experte der Herzen. Er sprach Klartext, notfalls auch als Kimmich-Killer: „Vielleicht muss man an die Spieler ran, die jetzt schon vier, fünf, sechs Turniere ihre Chancen hatten, ein gutes Turnier zu spielen – und die das nicht geschafft haben.“ Bitteres Resümee vom Bundesjürgen: „Wir waren Fußball-Deutschland.“