In New York ist Fläche knapp. Deswegen baut die Stadt in die Höhe, das ist ihr Merkmal und ein Faszinosum. Mit dem Nachteil allerdings: Man ist auf den Transport nach oben angewiesen. Im Hotel in Manhattan, in dem ich einige Tage wohnte, gab es ein Lift-Buchungssystem für die Stockwerke von L (Lobby) bis 38. Auf einem Touchpad musste man zur angestrebten Etage wischen, die Zahl antippen und mit der Zimmerkarte verifizieren. Man bekam einen der fünf Aufzüge zugewiesen. Ich erlebte rauschhafte Fahrten von L auf 23, es fühlte sich ein bisschen wie Schwerelosigkeit an. Pro Sekunde ging es ein Stockwerk hoch. Es gab aber auch quälende Abfahrten zum Frühstück. 23 – 21 – 20 – 19 – 16 – mit jedem Zustieg veränderte sich die Atmosphäre in der Kabine zum Unguten. Oder es gab Wartezeiten – unten wie oben. Grummelnde Touristen.
An der Rezeption fragte ich, ob es auch ein Treppenhaus gebe. Gibt es. Und als ich vom Joggen im Central Park kam, bot es sich an, die Wegstrecke mit einem Aufstieg zu veredeln. Einmal in einem Wolkenkratzer-Teppichhaus unterwegs sein! Der „Staircase“ ist ein amerikanischer Mythos, kommt gleich nach der Feuerrettungstreppe an der Außenfassade sinistrer Backsteingebäude. Bei Treppenkonstruktionen hat man immer eine große Verfolgungsjagd vor dem geistigen Auge.
Auch der Treppenlauf als Wettbewerb (mit eigenem Weltcup) wurde in den USA erfunden, der Empire State Building Run ist immer noch die WM der Vertikalläufer. 23 Stockwerke sind natürlich nur Kurzstrecke. In meinem Fall waren es 416 Stufen. Und weil trotz Buchung kein Aufzug kam: Ich war schneller.